Lucy McKenzie im Neuen Aachener Kunstverein

Lucy McKenzie · Installationsansicht «Brian Eno», 2003

Lucy McKenzie · Installationsansicht «Brian Eno», 2003

Besprechung

Lucy McKenzies Umgang mit Räumen und ihrer «Kundschaft» wirkt souverän. Nach Ausstellungen bei Daniel Buchholz in Köln und Christian Nagel in Berlin breitet sie in Aachen unter dem Namen «Brian Eno» eine atmosphärische Vergegenwärtigung von Idealen der Avantgarde aus.

Lucy McKenzie im Neuen Aachener Kunstverein

Als Malerin nimmt Lucy McKenzie (*1977) ihre flächige Arbeitsweise ernst, so dass sie gleich den unteren Raum des Kunstvereins in eine farbenfrohe pompejanische Villa verwandelt: rote und grüne Wandflächen neben Marmorsäulen, Ornamentfriese, die irgendwann einfach abbrechen, als wäre das Fresko beschädigt. Es wirkt kühl, künstlich, eine irgendwie gediegene Kulisse, aber auch kitschig. Zwischendrin hängen Drucke: Wortgebilde, Grafikstudien, ein verhuschtes Porträt, eigene Relikte von Veranstaltungen des vergangenen Jahres. An Pompei habe sie gar nicht gedacht, ihr Klassizismus sei angelehnt an die viktorianisch gestylte Londoner Wohnung Brian Ferrys, des alten Roxy-Music-Kollegen des permanent abwesenden Künstler-Musikers Brian Eno. Eno steht für Avantgarde, Ruhm und arbeitet bisweilen als Berater Tony Blairs. Der kühle Raum sucht förmlich nach Beziehungen, ist lesbar wie eine Ode des old-fashioned new style und Demokratiegefühls – die gleichzeitige Betonung des Öffentlichen und Privaten. Kubrick in «2001» nutzte eine ganz ähnliche Raumsituation, auch Greenaway wird von McKenzie genannt: Referenzen zur Musik und zum Film also. Sucht die junge Glasgowerin im leeren Ambiente das Unaussprechliche, Abwesende und Mystische, welches, mit Bruce Nauman gesprochen, der wahre Künstler zu enthüllen sucht?

Im Obergeschoss ist es der Gestus der genuin schöpferischen Hand, den sie in bräunlichem Dämmerlicht betont. Nur an einer Wand hängen schwarzweisse Porträtzeichnungen, Studien von Freunden, dazwischen Lucy und Brian. Locker gereiht dominieren Blätter mit gezeichneten Bleistiftkonturen oder auch mit klassischen Dreiviertelansichten. Und was sich unten andeutete, wird hier manifest. Die intime Privatheit entlarvt sich als Trug. Die Inszenierung, das Durchspielen der akademischen bis karikaturesken Stile wirkt vertraut und bleibt doch spröde. Das bräunliche Licht wird atmosphärisch gebrochen durch das kühle Schwarzlicht im Treppenhaus – hier wird Licht anstelle von Musik gesetzt. Auf der obskuren Suche nach Brian Eno, der 1981 sein Leben gemeinsam mit David Byrne in seiner Platte «My Life in the Bush of Gosts» vorerst medialen Geistern vermachte, bevor er zum Vater der Ambient Music wurde, hat McKenzie ihre Suche nach der Wirklichkeit von Malerei atmosphärisch arrangiert. Letztlich verweist die verunklärende Suche und der ambivalente, anspielungsreiche Stilmix auf das Verschwinden des Avantgardegedankens – verkörpert durch Kultfiguren wie Brian Eno – und des postmodernen Subjekts im Konsumrausch der Massen. Katalog in Vorbereitung beim Revolver Verlag.

Bis 
26.04.2003
Autor/innen
Gregor Jansen
Künstler/innen
Lucy McKenzie

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