Sam Durant im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen

Sam Durant · Echoplex Joseph Beuys Ideas/Crash, Fat, Felt, Amerika, Politics, Recovery, Monument, 2003, Vitrinen 4,5,6 von 7; Foto: Achim Kukulies

Sam Durant · Echoplex Joseph Beuys Ideas/Crash, Fat, Felt, Amerika, Politics, Recovery, Monument, 2003, Vitrinen 4,5,6 von 7; Foto: Achim Kukulies

Besprechung

Der «allegorische Impuls», den der amerikanische Kritiker Craig Owens Anfang der achtziger Jahre in den Arbeiten von Robert Smithson und anderen Künstlern der Postmoderne diagnostizierte, erscheint auch im Werk von Sam Durant als treibende Kraft. Dies macht seine Ausstellung im Kunstverein
deutlich.

Sam Durant im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen

Eine Eigenschaft der Allegorie besteht darin, das, was zu verschwinden droht, vor dem historischen Vergessen zu retten. Sam Durant (*1961 in Seattle) konzentriert seine Recherchen auf die utopischen Momente und ruinierten Hoffnungen der sechziger und siebziger Jahre: etwa, wenn er Forderungen und Appelle wie «Justice» oder «Let’s Judge Ourselves As People», welche die Demonstranten der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung auf Papptafeln in den öffentlichen Raum trugen, appropriiert und auf Leuchtkästen präsentiert. Der Allegoriker, stellte Owens fest, erfindet seine Bilder nicht, er konfisziert sie. Durants Arbeiten beziehen sich auf Ereignisse einer Zeit, an denen der Künstler und ein bedeutender Teil seines Publikums nicht aktiv partizipiert haben, von deren (Pop-)Kultur und Politik – und deren eingeschlif-fenen, mediatisierten Überlieferungen – sie gleichwohl nachhaltig geprägt worden sind. Beispielhaft hierfür sind die Festivals von Woodstock und Altamont, an die Durant – in Anspielung auf Smithsons berühmtes und viel zitiertes Earth Work Partially Buried Woodshed, 1970, – in zwei Arbeiten erinnert: Erdhaufen auf Spiegeln, aus denen die Bühnenansprachen der damaligen Protagonisten Wavy Gravy und Mick Jagger wie aus Gräbern tönen.

Im Zentrum der Düsseldorfer Ausstellung stand, neben Smithson, Joseph Beuys – und damit zwei antipodische Figuren, die man als Allegorien der eng verstrickten und zugleich asymmetrischen kulturellen und politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika lesen kann. Durant verwies darauf, dass beide Künstler 1969 an der Ausstellung «Prospect» im heutigen Gebäude von Kunstverein und Kunsthalle teilnahmen, und entwickelte für diesen Ort eine vielschichtige, ironische Installation aus sieben Vitrinen mit dem Titel «Echoplex Joseph Beuys Ideas/Crash, Fat, Felt, America, Politics, Recovery, Monument», 2003, die frischen Wind in eine mittlerweile still gewordene Beuys-Rezeption bringen könnte. Durants Beitrag zur Dekonstruktion eines deutschen Nachkriegs-Mythos erhielt eine zusätzliche, wenn auch nicht geplante Brisanz durch einen gleichsam «spiegelverkehrten» Prozess der Musealisierung, der parallel zu seinen Ausstellungsvorbereitungen ablief: der Ankauf von zahlreichen Beuys-Arbeiten aus der Sammlung Ulbricht durch die gegenüberliegende Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

Bis 
20.04.2003
Künstler/innen
Sam Durant
Autor/innen
Barbara Hess

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