Ann Hamilton in der Maison rouge

Ann Hamilton · Phora, 2005, Ausstellungsansicht, Stiftung Antoine de Galbert, Paris, Foto: texte&tendenzen

Ann Hamilton · Phora, 2005, Ausstellungsansicht, Stiftung Antoine de Galbert, Paris, Foto: texte&tendenzen

Besprechung

«Phora» nennt die In-situ-Künstlerin Ann Hamilton ihre erste Einzelausstellung in Paris. Sie entwickelt Objekte, die bildhafte Echos der Umgebung ihrer Arbeiten sind. Nach der erfolgreichen Ausstellung der Hamburger Sammlung Falkenberg bringt Antoine de Galbert erneut die Räume seiner Stiftung zur Geltung.

Ann Hamilton in der Maison rouge

«Wenn man Ann Hamiltons Arbeiten wirklich kennen lernen möchte», sagt Waltraud Forelli-Wallach, Kuratorin der Ausstellung, «dann muss man ein gutes Reisebudget haben, denn überwiegend wirken ihre Installationen nur an dem Ort, für den sie bestimmt sind.» Der lag bisher selten in Frankreich. Nun hat sich die 49-jährige US-Amerikanerin in der Maison Rouge, dem neuen Pariser Kunst-Ort an der Bastille, von ihren Assoziationen und Inspirationen leiten lassen. Seit zwanzig Jahren stellt sie als «object-maker» ihre In-situ-Arbeiten aus, meist in den USA, hin und wieder in Europa wie zur Istanbul-Biennale 2003.

Ann Hamilton, in ihren Arbeiten verwandt mit Rebecca Horn, arbeitet zurückhaltend und effektvoll an einer Mythologie der Objekte. Leitmotiv der auf 1300 Quadratmetern raumgreifenden Pariser Ausstellung ist die Stimme. Mit ihr kreiert Hamilton Stimmungen, die beim Betrachter Assoziationen und Erinnerungen wachrufen. Schon in der Eingangshalle lassen die Close-ups von Mündern mittelalterlicher Holzfiguren imaginär Überlieferungen, religiöse und karnevaleske Riten und Mythen widerhallen. Dieser Raum wird im zweiten Saal mit Stimmen angefüllt, die aus Lautsprechern dringen, die sich unter der Decke drehen. Im nächsten Saal klingen aus Tuba-Trichtern, neben einem von der Decke hängenden, mit rosa Seide ausgeschlagenen grossen Zelt französische, englische und arabische Worte. An die Assoziation zu Tausend und einer Nacht knüpft ein Wald hängender Kleidungsstücke mit Imaginationen vom Zauberwald an. Hamilton will an die Stimmen der Revolution der nahen Bastille erinnern und macht aus der Maison rouge eine «maison enchantée», ein verzaubertes, unheimliches Haus. Sie inszeniert eine Mythologie des Ortes durch ihre Objekte, führt den Besucher auf eine imaginäre Reise: «Phora» ist der griechische Begriff für Bewegung. www.lamaisonrouge.org. Im Sommer ist Hamilton in der Gruppenausstellung «a kind of magic» im Kunstmusem Luzern zu sehen (6.8. - 27.11.).

Bis 
21.05.2005
Künstler/innen
Ann Hamilton
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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