Nakis Panayotidis in der Galerie Henze und Ketterer

Nakis Panayotidis · Il Ladro di luce: Noi vogliamo costruire, Bronze, Blei, Neon, 2005

Nakis Panayotidis · Il Ladro di luce: Noi vogliamo costruire, Bronze, Blei, Neon, 2005

Besprechung

Nakis Panayotidis (*1947 in Athen) lebt und arbeitet seit 1973 in Bern. In Wichtrach hat er selbst eine Ausstellung konzipiert, die zentrale Themen anhand neuer Arbeiten zeigt.

Nakis Panayotidis in der Galerie Henze und Ketterer

Weisse Neonröhren bilden das Wort «Exil», 2006, in den Massen 2 x 5,5 m. Jeder ist auf seine Art ein Fremder. Mit ihrer etwas plakativen Botschaft betitelt die Arbeit eine Ausstellung im Depot der Galerie. Zu sehen sind neue Arbeiten aus den letzten drei bis vier Jahren, die auf grundsätzliche Themen und Techniken Panayotidis´ verweisen. Etwa auf die Beschäftigung mit philosophischen Fragen, mit Epikurs Glück der Anspruchslosigkeit und Bakunins Verständnis sozialer Gerechtigkeit. Gern greift der griechische Künstler, der 1966 nach Turin ging und dort, durch Bekanntschaft mit dem Kreis der Arte povera, zur Kunst fand, auch auf Motive der klassischen Mythologie zurück. In «Il ladro di luce», 2006, Räuber des Lichts, einem zentralen Werk der Schau, verschmelzt Panayotidis ethische Ansprüche und mythische Motive zu einer appellhaft-dekorativen Arbeit. Zehn Bronzehände, zu Fäusten geballt, wachsen gleichsam aus der Wand und recken, mit kämpferischer Attitüde, je eine Neonröhre in den Raum. Das kühle Licht dient als moderne Fackel, der Titel spielt auf Prometheus an, der den Menschen das Feuer brachte, mithin Licht, Erkenntnis und Unabhängigkeit von den Göttern. In der Reihung ergibt sich ein eingängiges Gesamtbild. Panayotidis jedoch verlässt sich nicht allein auf die visuelle Wirkung seiner Arbeit, er hat die Neonröhren zudem beschriftet: «Noi vogliamo sognare. Noi vogliamo amare. Noi vogliamo sperare.» Wir wollen träumen, lieben, hoffen. Das spricht überdeutlich von edler Gesinnung.

Licht und Feuer und ihr Schweif metaphorischer Bedeutungen nehmen breiten Raum ein in der Schau. Zu nahezu allen Arbeiten gehören Leuchtkörper. Auch in den Fotoarbeiten mit Sujets aus Industrie und Stadtraum, die Panayotidis per Übermalung bearbeitet und mit objekthaften Rahmen ausschmückt, stecken Leuchtröhren, in den gestalteten Rahmen oder im Bild selbst verborgen. Dieses Verfahren, das Bild von Innen heraus zu illuminieren, verwendet Panayotidis auch in einer Reihe von Landschaften. Seit kurzem erst beschäftigt er sich mit diesem traditionsreichen Genre der Malerei. Auf der Basis von Fotografien entstehen dekorative Seestücke und Sonnenuntergänge. Im Zentrum des Interesses steht immer das Licht: untergehende Sonne, helle Reflexe auf dem Wasser, zartes Flimmern unter dichtem Laub. Dem Phänomen der Wahrnehmung, der Farbwirkung des Lichts auf der Spur, berührt Panayotidis mit seinen Landschaften Fragen, die sich in der Kunst immer wieder neu stellen und diskutieren lassen. Allerdings hat er sich nicht auf Pinsel, Farbe, Fotogrund verlassen, sondern die Leinwände mit Lichtröhren hinterlegt. Eine heikle Entscheidung. Wird das Umgebungslicht herabgedimmt, kippen die leuchtenden Landschaften ins vornehmlich Stimmungsvoll-Dekorative.

Bis 
08.04.2006
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Nakis Panayotidis

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