Pierre Huyghe und Pierre Bonnard im Musée d´Art moderne de la Ville de Paris

Pierre Huyghe · Prolog der Ausstellung «Celebration Park», Musée d´Art Moderne de la Ville de Paris/ARC, © Florian Kleinefenn

Pierre Huyghe · Prolog der Ausstellung «Celebration Park», Musée d´Art Moderne de la Ville de Paris/ARC, © Florian Kleinefenn

Pierre Bonnard · Nu dans le Bain au petit chien, 1941-1946, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh, © ProLitteris, Zürich

Pierre Bonnard · Nu dans le Bain au petit chien, 1941-1946, Carnegie Museum of Art, Pittsburgh, © ProLitteris, Zürich

Besprechung

Nach mehr als zwei Jahren Renovierung hat das Museum im Ostflügel des «Palais de Tokyo» mit zwei sehenswerten Positionen seine Räume wieder eröffnet. Ein schönes Finale für Direktorin Suzanna Pagé und ihren Kurator Hans Ulrich Obrist. Sie geht in den Ruhestand, er wird Direktor der Serpentine Gallery, London.

Pierre Huyghe und Pierre Bonnard im Musée d´Art moderne de la Ville de Paris

19.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche wurden für 15 Millionen Euro renoviert und man sieht kaum einen Unterschied: Nach einer Sicherheits-Überholung ist die neu geordnete Sammlung der Moderne - 8000 Werke, überwiegend der Fauve, der Kubisten und Post-Kubisten - wieder zugänglich. Der Dufy-Saal mit dem 1937 gemalten Fresko «La Fée Electricité» wurde von Asbest befreit und neu beleuchtet. Im Kellergeschoss soll in einem neuen «schwarzen Saal» ein Film- und Video-Programm gezeigt werden. Die Renovierung ist gelungen, die beiden Ausstellungen, mit denen sie zelebriert wird, sind es umso mehr.

«Mir gehört nicht das Musée d´Art moderne und auch nicht der Todesstern» steht in Neonschrift an der Wand. Auf dem folgenden Rundgang unterstreichen weitere «Disclaimer» Pierre Huyghes Anspruch, nicht Eigentümer eines kulturellen Erbes zu sein, mit dem er gleichwohl arbeitet. Am Ende blickt man durch einen Türspalt, im Halbdunkel liegt eine Marionette, Porträt des Künstlers selbst. Mehr als eine einfache Referenz an die Weltausstellungs-Geschichte des Ortes lotet «Celebration Park» - eine zweiteilige Ausstellung, deren «Prolog» bis 26. Februar zu besuchen war und deren Hauptteil bis 23. April zu sehen ist - die Grenzen des Ausstellungsbetriebes und die Imaginationen aus, die wir ins Museum mitbringen.

Das knüpft an die parallel gezeigte, grosse Pierre-Bonnard-Schau im Erdgeschoss an: Eine kluge Hängung nach Themenfeldern präsentiert auch wenig bekannte Arbeiten. Wie jenes «Stilleben vor dem Fenster» von 1931, das den Maler als Meister der Perspektivierung des Blicks zeigt. Die Serien des Akts in der Badewanne, die zwischen 1920 und 1940 entstanden sind, lassen einen Modernen erkennen, dessen Auslotung des Bildraumes bis heute höchst aktuell ist.

Aktualität vor historischem Hintergrund - das ist die Stärke des Musée d´Art moderne de la Ville de Paris. Mit den beiden Ausstellungen geht auch eine Ära zu Ende: Suzanna Pagé, die erfolgreiche Direktorin - sie führte mit Annette Messager letztes Jahr den französischen Pavillon der Venedig-Biennale zum goldenen Löwen - wird ausscheiden und mit ihr geht Kurator Hans Ulrich Obrist. Mit der aktuellen Doppelausstellung kann man noch mal die ganze Energie des alten Teams geniessen.

Bis 
06.05.2006

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