Ueli Berger im Kunsthaus

Ueli Berger · Kinderzimmer, Installation, Kunsthaus Langenthal, 2006

Ueli Berger · Kinderzimmer, Installation, Kunsthaus Langenthal, 2006

Besprechung

Ursprünglich war eine grosse Retrospektive zum 70. Geburtstag Ueli Bergers als Kooperation des Kunsthauses Langenthal mit dem Kunstmuseum Bern geplant. Terminnot auf Berner Seite liess den Plan platzen. Nun zeigt Langenthal im Alleingang ein Jahr vor dem runden Geburtstag Bergers mit den «Installationen 1966-2006» eine sehr dichte, fesselnde Schau.

Ueli Berger im Kunsthaus

Für den Besucher ist diese kleinere Lösung ein Glücksfall. Die Ausstellung, noch von der ehemaligen Kunsthaus-Leiterin Marianne Burki in Zusammenarbeit mit Ueli Berger konzipiert, zeigt zentrale Themen Bergers auf, bleibt dabei übersichtlich und fügt die Werke zu einem beeindruckenden Parcours. Einige Arbeiten wurden dem Kunsthaus geradezu eingegossen. Die so faszinierende wie irritierende Raum-Intervention «Kinderzimmer», 2006, etwa, die, wie die meisten Installationen Bergers, zugleich schlicht und raffiniert ist, scheinbar leicht fassbar und doch von grosser Bedeutungsvielfalt. Vier Holzwände markieren einen Raum, der sich quer stellt zur gegebenen Architektur, sich verhakt, verkantet. Durch zwei Räume und drei Türen hindurch laufen die selbst tür- und fensterlosen «Kinderzimmer»-Wände. Doch nicht nur den vorgegebenen Raum dekonstruiert und hinterfragt Berger: Die Blümchentapete des Kinderzimmers klebt an den Aussenseiten der Wände, der Raum scheint umgestülpt, die Fussleiste sitzt oben. In dieser Herangehensweise, mit dem Raum zu arbeiten, ohne sich der Architektur unterzuordnen, schwingt noch etwas von Neugier und kritischem Geist der 1960er Jahre mit. Die Wirklichkeit ist nicht immer das, was wir als solche zu sehen glauben. Mit wirkungsvoll-einfachen Mitteln führt der Berner Künstler dem Betrachter dies vor Augen. In seiner «Hommage an Piero Manzoni», 1984/2006, schraubt er vier grosse Lenkrollen an eine sonst blanke Wand, die unversehens wie der Boden einer liegenden Box erscheint.

Die Ausstellung zeigt frühe Arbeiten, neue Arbeiten und auch solche, die Berger länger schon geplant und skizziert, in Langenthal aber erstmals realisiert hat. Wie aus Ideen Installationen werden, dokumentiert eine grosse Tischvitrine mit Skizzen, Modellen, Notizen. Wie Themen sich entwickeln, Arbeiten sich gegenseitig befruchten können, erlebt der Besucher beim Rundgang der sorgfältig arrangierten Schau. In «Supposition III», 1999/2005, bilden vier hohe Leinwände, bemalt und anschliessend schwarz überstrichen, mit den Bildseiten nach innen gerichtet, einen dunklen Raum, in dessen brunnenartige Tiefe der Besucher per Leiter herabblicken kann. Diese Reflexion über die Kunst und ihre Betrachter wird von einem tropfenden Geräusch untermalt, das sich zur Wasserthematik fügt. Im Nebenraum die «real water music» von 1980, eine Klang-Installation mit viereinhalb Blecheimern. Aus drei Tropfgeräuschen hat Berger, der über die Jazz-Musik zur Kunst fand und in seinen Installationen immer wieder musikalische Themen aufgreift, eine Minimal-Musik komponiert, die auch weitere Nachbararbeiten sinnvoll und sinnlich begleitet.

Bis 
08.04.2006
Künstler/innen
Ueli Berger
Autor/innen
Alice Henkes

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