«Augenzeugen - Bilder vom Krieg, Globalität & Blogs» im Seedamm Kulturzentrum

Hinweis

«Augenzeugen - Bilder vom Krieg, Globalität & Blogs» im Seedamm Kulturzentrum

«Ich fotografiere, also bin ich», wäre als Devise der Jetztzeit angemessen. Nie zuvor wurden so viele Bilder geschossen, was auch immer auf der Welt passiert, eine Kamera nimmt es auf. Paolo Bianchi, der Kurator der Ausstellung, stellt Künstler als Augenzeugen vor und er definiert Augenzeugenschaft als «weder mit Kritik noch mit Affirmation» verbunden, sondern mit «einem Denken und Handeln, das sich nicht scheut, bis zum Äussersten zu gehen. Selbst wenn damit das eigene Leben aufs Spiel gesetzt wird». Nicht Objektivität, sondern allein der existenzielle Augenblick habe Gewicht. Eine «Leidensgeschichte des Sehens» wird also vorgestellt, wobei Bianchi den Künstlern Unbestechlichkeit, Unbefangenheit und Authentizität attestiert und dass sie «Bilder des Ungehorsams - gegenüber Zensur, Macht, Lügen und medialem Lärm» herstellen. Luc Delahaye beispielsweise, sein Bild «Jenin Refugee Camp», 2002, zeigt das Camp, ganz nüchtern, am 14.4.2002 nach tagelangen Kämpfen zwischen palästinensischen Militanten und israelischer Armee. Urs Wittwer knüpft an die Fotos von US-Soldaten aus den Camps in Vietnam an. Er bearbeitet die privaten und emotional geladenen Aufnahmen und druckt sie grossflächig aus, wobei er die Originalspuren wie Kratzer, Schatten oder Unschärfen in Malerei übersetzt und damit Aura erzeugt. Jules Spinatsch beschäftigt sich mit den aufgeladenen Architekturen, in deren Umfeld die grossen Ereignisse wie das WEF oder die G8-Gipfel stattfinden. Der Balkan Reporter Walter Müller vom CUE Institute of Contemporary Urban Encounters versucht, jenseits der Zuschreibungen von Gut und Böse darüber zu berichten, wie die Menschen auf beiden Seiten leben, denken und fühlen. Einige weitere Teilnehmende sind James Nachtwey, Christian Frei, Johannes Gees. Weibliche Künstlerinnen sind leider nicht dabei, nur in der zugehörigen informativen Broschüre dürfen Ursula von Keitz und Elke Anna Werner schreiben. Wär schön, eine Nachfolge-Ausstellung könnte die weibliche Augenzeugenschaft vorstellen.

Bis 
21.04.2007

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