Christoph Hänsli in der Galerie Bob Gysin

Courtesy Galerie Bob Gysin

Courtesy Galerie Bob Gysin

Besprechung

Christoph Hänsli in der Galerie Bob Gysin

Dreissig Gemälde (eines für jeden Tag im Monat) zeigen je ein Glas Bier: frisch gezapft, die Schaumkrone unberührt und über den Rand quellend, oder dreiviertelvoll, die weisse Haube zu einem dünnen Streifen zusammengesunken, schaumige Rinnsale auf der Glaswand hinterlassend. Von Bild zu Bild sinkt und steigt der Bierpegel, verändern sich die kräuselnden Spuren. Christoph Hänsli registriert, wie der Lichteinfall, die Farben und die Oberflächen das unauffällige Objekt von Sekunde zu Sekunde verändern. Das einzelne Bild ist nichts; sein Sinn liegt in der Serie, in der ironischen, vergeblichen Suche nach dem Original und dem Authentischen. So driften Hänslis Serien ins Unendliche, entfalten die Pracht des Banalen, in der die barocke Fülle der Gegenwart von der Leere und Langeweile unterhöhlt und aufgesaugt wird.

Der Sinn dieser Tätigkeit grenzt an Besessenheit und scheint beständig zu entgleiten. Nichtsdestotrotz gibt es keine alltäglichere Erfahrung, als sich über die Wahrnehmung seiner Umgebung zu versichern. Jedes noch so kleine Ding prägt sie und bietet sich, konsequenterweise, der Analyse an. So auch die zweiundfünfzig Salzstängel (einer für jede Woche im Jahr), die in winzigen Gemälden je einzeln und in Originalgrösse in Szene gesetzt werden, damit sie ihre Salzkristalle auf der braunglänzenden Kruste auffächern. Jedes Bild ist hingebungsvoll gemalt, als bärge es das Konzentrat der Welt.

Und was ist dieses, wenn nicht das Unfertige, Vorläufige, Angedachte? Drei Gemälde, die als Bauwände erscheinen, zeigen dies auf besonders amüsante Weise. Aus den bekannten, rot-weissen Latten zusammengefügt, gebärden sich die Bilder von Weitem betrachtet wie Farbfeldmalereien. Aus der Nähe zeigt sich, dass die Umrisse der Holzlatten nicht mit dem Lineal, sondern von Hand gezogen sind. Sie widersprechen der strengen Geometrie, weil sie auf alltägliche Gegenstände verweisen, und deren serielle Anordnungen immer Abweichungen enthalten, die das Lebendige umschreiben. Genau dies zeigt die vierteilige Videoserie mit dem Titel «Schnee»: Das dichte Treiben der Flocken ist chaotisch und wiederkehrend zugleich; es bannt den Blick und beruhigt.

Bis 
04.05.2007
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Bob Gysin Schweiz Zürich
Künstler/innen
Christoph Hänsli
Autor/innen
Susann Wintsch

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