«Die Wörter, die Dinge» im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen

Susanne Kriemann, Annette Kelm · Installationsansicht «Die Wörter,
die Dinge», Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf,
Foto: Yun Lee

Susanne Kriemann, Annette Kelm · Installationsansicht «Die Wörter,
die Dinge», Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf,
Foto: Yun Lee

Besprechung

Unter dem auf Foucaults «Les mots et les choses», 1966, anspielenden Titel «Die Wörter, die Dinge» führt die Ausstellung - die erste unter der neuen Leitung von Vanessa Joan Müller - Filme und Fotografien von fünf Künstlerinnen und Künstlern zusammen, die den Beziehungen zwischen dem Sichtbaren und dem Verborgenen, zwischen (Kunst-)Objekten und ihren möglichen Kategorisierungen nachgehen

«Die Wörter, die Dinge» im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen

So bietet Alexander Gutke in einer Abfolge von 81 Dias Einblicke in die innere Struktur eines Diaprojektors, den er mit chirurgischer Präzision in 81 Längsschnitten zerlegte - eine ebenso sachliche wie zerstörerische Annäherung an eine überlebte Technologie. Das «Wesen» des Projektors und des projizierten Bildes zeigen sich dadurch ebenso wenig, wie sich das Wesen der Zeit offenbart, wenn man eine Uhr zerlegt. Stattdessen überrascht die selbstreflexive Installation «Exploded View», 2005, durch einen vieldeutigen formalen Reichtum, dessen ästhetischer Mehrwert den analytischen Ansatz übersteigt. Die Filme von Matthias Meyer, die auf überarbeitetem Found Footage basieren, kreisen buchstäblich um Leerstellen: In «The Black Museum», 2006, erscheinen - ausgehend von einem Dokumentarfilm von Nicolas Philibert - alle Gemälde des Louvre schwarz; die Klassifikation nach Meistern, Schulen oder Genres erscheint darin als absurde Geste. Eine andere Form der Negation, die ebenfalls im Spannungsfeld von Malerei und Fotografie operiert, zeigt sich in einer Fotoserie von Annette Kelm. Zu sehen sind die weissen Rückseiten von benutzten Wurfscheiben. Die ausgefransten Löcher erinnern an frühe «Concetti spaziali» Lucio Fontanas, die nur zu ahnenden konzentrischen Kreise der Wurfscheibe an Motive bei Picabia, Jasper Johns, Ed Ruscha. Die Fotografien von Susanne Kriemann hingegen richten den Blick auf öffentliche Räume und deren Ordnungen, etwa auf das frühere Stasi-Ministerium in Berlin, wo eine ornamental-transparente Mauer als effizienter Sichtschutz für heranfahrende Autos und deren Fahrgäste fungierte, oder auf das Berliner Olympia-Stadion, das in Kriemanns Aufnahme als Überlagerung verschiedener Raster erscheint. Eine Art konzeptuelles Scharnier der Ausstellung bildete eine Arbeit von Christopher Williams aus dem Jahr 1993, die im Kontext der aktuellen Produktionen der jüngeren Kolleginnen und Kollegen schon «historisch» zu nennen ist. «Die Wörter, die Dinge» macht in einer beziehungsreichen Präsentation anschaulich, dass die bei Williams aufgeworfenen Fragen zum Verhältnis von Wirklichkeit und Repräsentation nie abschliessend beantwortet, sondern nur in unterschiedliche Richtungen immer wieder neu gestellt werden können.

Bis 
08.04.2007

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