«Il faut cultiver notre jardin» im Kunsthaus

Andres Lutz & Anders Guggisberger · Pflanzung, aus der Serie «Die Queen im Louvre», 2003-07, Mischtechnik auf Zeitungspapier auf Karton, variable Grösse, Courtesy Galerie Friedrich, Basel, © ProLitteris, Zürich

Andres Lutz & Anders Guggisberger · Pflanzung, aus der Serie «Die Queen im Louvre», 2003-07, Mischtechnik auf Zeitungspapier auf Karton, variable Grösse, Courtesy Galerie Friedrich, Basel, © ProLitteris, Zürich

Besprechung

Nicht um Gärten, sondern um die Kunst, im Kleinen das Grosse, im Alltäglichen das Besonders zu sehen, geht es in der Gruppenausstellung «Il faut cultiver notre jardin», deren überwiegend sehenswerte Positionen manchmal etwas zu locker miteinander verbunden sind.

«Il faut cultiver notre jardin» im Kunsthaus

Um Gärten geht es nicht und doch blüht manches in der Ausstellung «Il faut cultiver notre jardin». Fanni Fetzer, die das Kunsthaus Langenthal seit einem knappen Jahr leitet, hat ihre erste selber konzipierte Ausstellung unter ein literarisches Motto gestellt, das ihre Arbeit in Langenthal spiegelt. Beim Bewerbungsgespräch fiel ihr, als Konzept für das Kunsthaus, der letzte Satz aus Voltaires «Candide ou l?Optimisme» ein, in dem sich für Fanni Fetzer neben der Absage an die reine Theorie und die Hinwendung zum tätigen Leben auch die Fähigkeit ausdrückt, sich im positiven Sinne auf das Gegebene zu beschränken. Ein Haus in ländlicher Lage will eben anders bespielt sein, als eines in Zürich oder Basel.

Für die Ausstellung lud Fanni Fetzer fünf Schweizer Künstler und Künstlerinnen bzw. Duos ein, die ihrerseits einen Blick fürs Kleine, Naheliegende, Alltägliche haben. So beginnt die Arbeit «WEG», 2007, von Ron Temperli und Dominik Heim buchstäblich vor der Haustür der Künstler. In einer achttägigen Wanderung haben sie den Weg vom Wohnort Winterthur zum Kunsthaus Langenthal zurückgelegt und dabei Abfälle wie Schokoladenpapiere und Zigarettenstummel gesammelt. Nach unterwegs gefertigten Skizzen entstand aus dem Unrat, ergänzt um Steinchen, Laub und Moos, im Flur des Untergeschosses ein fast 30 Meter langes Modell der Wegstrecke, das den meditativen Gehalt des Gehens verdeutlicht. Grünen lassen es auch Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger. Ihr «Tischgarten», 2007, vermischt grellen Plastikblumenkitsch mit robusten Bohnenranken. Die «Samensammlung aus Mali», 2003, indes erblüht allenfalls in der Phantasie des Betrachters, als ein Exotikum zudem, das die Grenzen des Naheliegenden deutlich überdehnt.

Hingegen verarbeiten Andres Lutz und Anders Guggisberger in der Serie «Die Queen im Louvre», 2003-07, buchstäblich, was vor ihren Füssen liegt: Farbbekleckste Bilder aus Zeitungen, mit denen sie zuvor den Atelierboden abgedeckt haben, werden zu surrealen und humorvollen Bildlandschaften. Matteo Terzaghi und Marco Zürcher recyceln die eigene Vergangenheit und zeigen mit «Eine Kraft, die uns bewegt», 2007, die bearbeitete Version eines eigenen Films von 1992. Anne-Julie Raccoursiers Video «Noodling», 2007, zeigt Aufnahmen vom Airguitar Contest im finnischen Oulu und bringt ein neues Subthema ein: das Abwegige im Alltäglichen. Die Videobilder kommen ohne Ton und leicht verlangsamt und fokussieren die Absurdität der wilden Gesten aber auch die Hingabe der Luftgitarristen an etwas, das letztlich reine Idee ist. Worauf es beim Luftgitarre spielen ankomme, fragte Raccoursier die Wettbewerbs-Veranstalter. Auf die Airness, lautete die Antwort. Luftigkeit durchzieht auch die Ausstellung, eine Leichtigkeit, die manchmal etwas zu viel Luft zwischen den einzelnen Positionen und dem Thema lässt.

Bis 
14.04.2007

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