«This Place is My Place - Begehrte Orte» im Kunstverein

Hinweis

«This Place is My Place - Begehrte Orte» im Kunstverein

Kunstvereinsleiter Yilmaz Dziewior hat Werke zusammengeführt, die «eine neue Phase des Kapitalismus» sondieren, eine Phase, «die durch postfordistische Produktionsverhältnisse und kontrollgesellschaftliche Herrschaftsmethoden bestimmt ist.» Was zunächst recht theoretisch klingt, setzt Dziewior in einer schlüssigen Auswahl von KünstlerInnen und Werken, aber auch dramaturgisch überzeugend um. An zentraler Stelle etwa mit einer Arbeit von Marjetica Potrc, deren grosse Haus-Skulptur, «Prishtina House», 2006/07, einen für Bauformen in migrationsgeprägten Regionen typischen Mix aus verschiedensten Architektursprachen vorführt. Potrcs Arbeit trifft einen interessanten Punkt zwischen Skulptur, Modell und verdichtender Spiegelung von Realität - sie zeigt, wie sich kulturelle Herkunftsgeschichte, individuelle Autonomiebestrebung und Improvisationsvermögen, aber auch Abgrenzungs- und Sicherheitsbedürfnisse in Bauform und Lebensstil ausdrücken. Beeindruckend auch Ursula Biemanns mehrteilige Video-Installation «Black Sea Files», 2004/05. Biemann arbeitet mit Mitteln journalistischer Recherche und thematisiert den Bau der kaspischen Ölpipeline, die unter Umgehung «unsicherer» Regionen geplant wurde. Dieses Thema verbindet sie mit Darstellung persönlicher Geschichten von Dorfbewohnern, Bauarbeitern oder Prostituierten - eine Verknüpfung, durch die Globalisierungseffekte greifbar werden. Der individuelle Fokus ist auch im Werk von Dan Perjovschi wesentlich. Er arbeitet mit tagesaktuell gehaltenen Wandzeichnungen und entwirft daraus ein Feld von schnell hingeworfenen, meist treffsicheren Karikaturen. «I like your ideas» stellt etwa eine der Figuren, die sich als Sammler deuten liesse, fest. Der so angesprochene Künstler kontert knapp mit «I like your Mercedes». Sean Snyders Video «Casio, Seiko, Sheraton, Toyota, Mars...», 2004/05, rückt unterschiedliche Formen der Kriegsberichterstattung im Irak und in Afghanistan ins Bild. Seine kritisch reformulierte Abbildung des Krieges kreuzt und kontert die Konventionen der Amateur-, Medien- und Regierungsdarstellungen und macht auf diese Weise deren Form von Wahrheitsproduktion sichtbar. Weitere Beiträge von Yael Bartana, Armin Linke, Yuk King Tan.

Bis 
05.05.2007

Werbung