Gregor Schneider in der maison rouge

GREGOR SCHNEIDER · Süsser Duft, Installationsansicht in der Maison Rouge, Paris, Foto: Sennewald, © ProLitteris, Zürich

GREGOR SCHNEIDER · Süsser Duft, Installationsansicht in der Maison Rouge, Paris, Foto: Sennewald, © ProLitteris, Zürich

Besprechung

Okkultes, Obsessives, Rituelles sind wiederkehrende Motive im Programm der maison rouge. Dem Marsyas mehr denn dem Apoll zugeneigt, arbeitet Antoine de Galbert auch an der abgründigen Seite des Sammelns. Kohärent dazu inszeniert Gregor Schneider nun die maison rouge als «haunted house».

Gregor Schneider in der maison rouge

«Irgendwann wird er gezeigt werden, in Venedig. Ich weiss das, ich glaube daran.» Der blonde Künstler aus Rheydt, schwarzer Rollkragenpullover, schwarzer Anzug, blickt aus blauen Augen in unsichtbare Ferne. Und erzählt weiter von seinem schwarzen Kubus. Von entstellenden Presseberichten, die 2005 aus seinem Kommentar zur Moderne für die Venedig-Biennale den coup eines künstlerischen Parvenü machten, der islamischen Terroristen die Bälle zuspielt. Von den vielen Muslimen, die begeisterte Briefe schickten, als man in Hamburg endlich wagte, den Kubus zu errichten - «kein Graffiti darauf, keine Zerstörung, nicht einmal Vögel haben sich darauf gesetzt» - und von seinem Kampf, ihn doch noch nach Venedig zu bringen «für die Architektur-Biennale, das wäre doch auch schon was». Gregor Schneider ist von seinen Raum-Gebilden besessen, das wissen wir seit «Totes Haus Ur». Eine Obsession, die sich in äusserste Präzision bei der Ausarbeitung seiner Projekte, jedoch auch als beklemmende Erfahrung beim Benutzen dieser Räume übersetzt. In der maison rouge führt er den Besucher zunächst hinter die Wände des Ausstellungsraumes. Die Tür fällt ins Schloss und schneidet den Rückweg unwiderruflich ab. Man muss weiter, in einen Rundgang durch stille, teils dunkle, teils beengte, teils kalte Räume. Eine gelungene Grusel-Geschichte aus Raum-Modulationen, die im Ausstellungsraum selbst gipfelt, der den einsamen Besucher mit dem Echo der zugefallenen Tür, dem Titel gebenden «süssen Duft» und dem blendendem Weiss leerer Wände empfängt. Schneiders Parcours erzählt von der Lust des Ausstellens und Ausgestellt-Werdens, von Fassaden und versperrten Wegen, von inszenierter und erlebter Erfahrung. Der Gang zwischen die Wände von de Galberts Sammler-Diwan wird zur Tiefenanalyse des Ausstellungsortes selbst. Es entstehen Resonanzen zu dessen eigentümlicher Haus-im-Haus-Situation und einer doppelbödigen Ausstellungsinstitution zwischen Engagement und Zeige-Trieb. Schneiders Intervention gleicht einer Psychoanalyse des Raums. Die maison rouge bietet dafür den passend intimen Rahmen - auch wenn der Künstler schon weiter blickt: «Ich habe schon einen Entwurf für den schwarzen Kubus gleich hinter den Pyramiden, zwischen Louvre und Tuilerien, das würde mir ja auch gefallen?»

Bis 
17.05.2008

Eine weitere Ausstellung von Gregor Schneider folgt im Museum Franz Gertsch

Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
La Maison rouge Frankreich Paris
Museum Franz Gertsch Schweiz Burgdorf
Künstler/innen
Gregor Schneider
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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