Stefan Brüggemann in der Kunsthalle

STEFAN BRÜGGEMANN · (No Content), 2004, Vinyl Lettering

STEFAN BRÜGGEMANN · (No Content), 2004, Vinyl Lettering

Besprechung

Totale Reduktion als gelungenes Wagnis: Die erste institutionelle Einzelausstellung von Stefan Brüggemann (*1975) aus Mexiko zeigt sich als neokonzeptuelle Versuchsanordnung, in welcher der Künstler zum intelligenten Stichwortgeber wird.

Stefan Brüggemann in der Kunsthalle

(No Content) steht in klaren schwarzen Vinyllettern an der Wand des hinteren Oberlichtsaals. Die Ausstellung, die der Künstler Stefan Brüggemann und der Leiter der Kunsthalle, Philippe Pirotte, gemeinsam entwickelt haben, besteht beinahe ausschliesslich aus solchen Vinyl Letterings. Sauber, jeweils zentriert angeordnet, in Arial black-Typo, finden sich kurze Sätze an den Wänden der darüber hinaus leeren Räume. «(No Content)» von 2004 führt dabei geradewegs ins ZentrumBrüggemann'schen Denkens und Schaffens. Neben der sehr intensiven Auseinandersetzung mit konzeptueller Kunst und der Suche nach einer zeitadäquaten Form für Konzeptkunst, beschäftigt Brüggemann, der in Mexico City und New York studiert hat, vor allem die anspruchsvolle Frage nach der Darstellbarkeit des Nichts. In früheren Ausstellungen zeigte er zu diesem Zwecke schlicht Kisten, auf denen «Nothing» stand. Die in Bern gezeigten Arbeiten sind da subtiler und vielschichtiger. Im Oberlichtsaal steht der Betrachter gewissermassen einem Versuch des Nichts in konzeptueller Form gegenüber. Dass es sich hier nur um eine Konstruktion handelt, deuten die Klammern an, die das Gesagte relativieren. Philosophische Deutungen sind möglich, auf religiöse Vorstellungen des Nichts ist Brüggemann indes nicht aus. Der Betrachter kann abwägen, wie weit er dem Denkrätsel folgen mag. Das gilt letztlich für alle Vinyl Letterings der Aussstellung. Sätze wie «Sometimes I Think Sometimes I Don't» sind schnell gelesen. Dank ihrer scheinbaren Einfachheit aber bleiben sie im Gedächtnis. So lassen sie sich immer wieder überdenken.
Einen anderen Weg wählt Brüggemann mit der Installation «Black Box», 2008, dem Kern- und Titelstück der Berner Ausstellung. Eine Black Box in einer Ausstellungssituation ist normalerweise ein dunkler Raum, der Filmvorführungen dient. Bei Brüggemann indes ist die «Black Box», die dank trickreicher Konstruktion von aussen gesehen zu schweben scheint, ein Raum so dunkel wie die Nacht oder das Universum oder, um wieder näher an das Denken heranzurücken, das Innere eines unversehrten menschlichen Kopfes, in das keine Chirurgenlampe leuchtet. Mit dem Gehirn vergleicht Brüggemann denn auch seine «Black Box»: Anstösse, Einf lüsse dringen herein, wie sie im Einzelnen verarbeitet werden, ist noch weitgehend ein Mysterium. So gestaltet Brüggemann denn diesen Denk-Raum als eine geradezu magische Ur-Dunkelheit, in der nichts zu hören ist als sogenannter White Noise, das Rauschen, das der Summe aller Tonfrequenzen entspricht.

Bis 
19.04.2008
Künstler/innen
Stefan Brüggemann
Autor/innen
Alice Henkes

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