Philippe Dudouit und Aram Tanis

Philippe Dudouit · Kommandant Haval Syavent in der Nähe des PKK-Camps von Arbur, Nord­irak, Mai 2007

Philippe Dudouit · Kommandant Haval Syavent in der Nähe des PKK-Camps von Arbur, Nord­irak, Mai 2007

Hinweis

Philippe Dudouit und Aram Tanis

Die von Katri Burri kuratierte Ausstellung im Forum für Dokumentarfotografie nimmt die PKK-Kämpfer ins Visier. Der Westschweizer Fotograf Philippe Dudouit (*1977) bereiste im Mai 2007 die Autonome Region Kurdistan im Nordirak, um während mehrerer Wochen das Leben der Rebellen in den Camps zu dokumentieren. Seine Bilder zeigen eine Schicksalsgemeinschaft, die fernab der Zivilisation in einfachsten Unterkünften wohnt, auf improvisierten Fussball- und Volleyballfeldern trainiert und sich zum Kampf rüstet. Diesen Aufnahmen sind eindringliche Einzelporträts gegenüber gestellt. In der Presse hat man viel über die PKK-Kämpfer gelesen. Philippe Dudouit zeigt ihre Gesichter, zeigt Menschen, die bereit sind, für ihre unterdrückte Kultur zu kämpfen und zu sterben. Bei der Teilung des Osmanischen Reiches nach dem 1. Weltkrieg sind die Kurden leer ausgegangen. Sie erhielten keinen Nationalstaat und ihre Ethnie ist bis heute über mehrere Länder verteilt. Die meisten Kurden leben in der Türkei, wo die kemalistische Staatsdoktrin den ethnischen Minderheiten wenig Verständnis entgegenbringt. Ende der siebziger Jahre gründete Abdullah Öcalan die Kurdische Arbeiterpartei PKK mit dem Ziel, die Kurden in die Unabhängigkeit zu führen. Der Krieg mit der türkischen Armee kostete Tausende das Leben und fand 1999 mit der Gefangennahme des Partei­gründers ein vorläufiges Ende. Seine Anhänger zogen sich in die nordirakischen Berge zurück und errichteten dort militärische Ausbildungszentren, wo Öcalan nach wie vor als grosses Vorbild verehrt wird. Wenige Monate nach Dudouits Abreise gaben die USA den irakischen Luftraum für türkische Bombenangriffe gegen die Stellungen der als terroristisch eingestuften PKK frei. Dieser Sachverhalt verleiht Dudouits Reportage eine über das Dokumentarische hinaus reichende Bedeutung. Um Entwurzelung bzw. Entfremdung geht es im weitesten Sinn auch in den Arbeiten von Aram Tanis (*1978, Korea), die im Raum für zeitgenössische Fotografie zu sehen sind. Die Serie «Almost blue», 2007, zeigt mit blauen Blachen überzogene Verschläge für nomadisierende Stadtbewohner, während die s/w-Serie «Urban Jungle» zum Grossstadt-Blues anstimmt. Pfütze, Häuserschluchten und Tierhäute erzeugen ein Gefühl bleierner Tristesse, in welcher die Luft zum Atmen fehlt.

Bis 
06.04.2009

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