William Earl Kofmehl III

William Earl Kofmehl III · Alpine Drama, Eröffnungsperformance vom 21. Februar, Kunsthalle Winterthur. Foto: ak

William Earl Kofmehl III · Alpine Drama, Eröffnungsperformance vom 21. Februar, Kunsthalle Winterthur. Foto: ak

Besprechung

Museumswände mussten schon viel ertragen. Die Kunsthalle Winterthur fungierte als Kletterwand. Der Amerikaner William Earl Kofmehl III und die schweizerisch-japanische Kuratorin Anna Kanai haben die Grenzen der Kunst getestet - hartnäckig und mit der Zeit überzeugend.

William Earl Kofmehl III

Normalerweise dauern die Aktionen von William Earl Kofmehl III so lange, bis der letzte Zuschauer aufgegeben hat und der Künstler idealerweise selbst in Schlummer verfallen kann. Kofmehl hat die Vision des dösenden Künstlers in der «nur» zweistündigen Performance zur Eröffnung der Winterthurer Ausstellung verkehrt: Hier schlummerte Kofmehl am Anfang, und zwar den Schlummer eines verunglückten Skifahrers. Gleich neben dem Eingang in den Oberlichtsaal hing er kopfüber an einem Felsen, der wie alles in der zweigeschossigen raumfüllenden Installation bis zur Rottanne aus duftendem Tannenholz bestand und erstaunlich kletterfest war. Auch hat Kofmehl hier in der Schweiz zum ersten Mal das Schweigen gebrochen, das er sonst gegenüber seinem Publikum wahrt. Anderes war wie immer und dürfte für immer verwirrend bleiben: dass zu Kofmehls Team seine Familie in wechselnden Besetzungen, vorab sein leiblicher Vater gehört, der während der gesamten Performance in der obersten Etage unmittelbar unter dem Dach Reden über Militärstrategie oder die Bekämpfung des Analphabetismus hielt - eines der beruflichen Tätigkeitsfelder des Militär-Veteranen.
Der verunglückte Skifahrer war während der Performance von einem klettertüchtigen Retter (im realen Leben heisst er Samuel Sigg und ist wie Kofmehl ein Amerikaner mit Schweizer Wurzeln, was die zwei langjährigen Freunde erst durch die Nachfrage Kanais herausfanden) mit Brötchen versorgt worden. Nach der Vorführung gewannen diese Brötchen als Wurfgeschosse für die jüngsten Zuschauer Kofmehls neue Bedeutung. Deren Bedeutung war aber auch schon vorher volatil: Für Kofmehl verkörpern die Brötchen eine Art Abgrenzung zur kasteienden Performance-Tradition seines Landsmanns Chris Burden. Doch für die Schweizer Betrachter sind es genau jene Brötchen, welche die Romanfigur Heidi für ihren Alpöhi einst gehortet, aber eben nicht gegessen hat. An diese Geschichte hat der junge amerikanische Nachfahre von Schweizer Uhrmachern, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika ausgewandert sind, (noch) nicht gedacht. Doch im offenen Kofmehlschen Kunstwerk, und diese Offenheit hat eine eigene, überzeugende Handschrift, gibt es noch für vielerlei Sorten Brötchen Platz.

Bis 
04.04.2009

Die Künstlerin und Kuratorin Anna Kanai war Gewinnerin des Jubiläumsquiz «A tout Prix - 40 Jahre Kunstbulletin» im August 2008. Der Hauptpreis, ein grosszügiger Scheck der Fondation Nestlé pour l'Art und die kollegiale Offenheit von Oliver Kielmayer, Leiter der Kunsthalle, ermöglichten die Ausstellung.

Autor/innen
Villö Huszai
Künstler/innen
William Earl Kofmehl III

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