Elad Lassry

Elad Lassry · Man 071, 2007, C-Print, 35,6 x 27,9 cm. Courtesy of Kordansky Gallery

Elad Lassry · Man 071, 2007, C-Print, 35,6 x 27,9 cm. Courtesy of Kordansky Gallery

Besprechung

Zeitgenössische Trompe-l'oeil-Bilder. Der israelische Künstler Elad Lassry versteht es, die Kunst des Bildermachens zu dekonstruieren, ohne das visuelle Vergnügen in Frage zu stellen; ja, die suggestive Macht der Bilder wird nicht nur gewahrt, sondern kraft ihrer Durchschaubarkeit sogar gesteigert.

Elad Lassry

Der in Los Angeles lebende Künstler Elad Lassry (*1977) präsentiert seine kleinformatigen Fotografien immer in farblich abgestimmten Rahmen. Was wie Kitsch wirkt, entpuppt sich schnell als doppelbödig. Lassry arbeitet nicht nur mit optischen Täuschungen, sondern führt visuelle Erfolgsrezepte aus Werbung, Film, Fotografie, Theater und Tanz vor. Als Grundlage dient ihm vorgefundenes Bildmaterial: Magazinseiten, Starfotos, Lehrbuchdarstellungen oder Porträts von Unbekannten. Dieses stellt er mit jungen Schauspielern nach oder collagiert das Original, sodass wesentliche kompositorische Botschaften und Strategien zum Vorschein kommen. Etikett und Bildlegende einer Thunfischwerbung überklebte er mit Goldfolie, sodass die kuriose Inszenierung mit Tischchen, Spiegelung und ausgeblichener Farbigkeit umso deutlicher hervortritt. Die Künstlichkeit von Porträts veranschaulicht er durch monochrome Hintergründe und irritierende Bildstörungen wie etwa Doppelbelichtungen im Augenbereich. Mit einer überzogenen Präsentation kleiner Porzellanschuhe in einem sterilen, horizontlosen Farbraum auf knalligen Sockeln entlarvt er den gängigen Warenfetischismus. Seine Aufnahmetechnik ist schwer durchschaubar: Gurken und Paprikas vollführen stille Balanceakte. Melonen scheinen sich im Studio auf Sockeln zu spiegeln, wäre da nicht ein Stück Himmel, das verrät, dass das perfekte Bild im Freien aufgenommen wurde.
Neben den Fotografien werden auch kleinformatige, tonlose Filme gezeigt, deren offene Abspielgeräte die Räume mit einem leisen Summen erfüllen. Hier verbindet Lassry Aufnahmeprinzipien des strukturalistischen Films, Darstellungsmodi von Lehrbüchern, Tanzanweisungen und das Gestenrepertoire melodramatischer Theaterinszenierungen. Die dokumentarisch anmutenden Filme sind bis ins letzte Detail geplant und reflektieren nicht nur das Making-of, das wiederholte Proben, sondern auch Formales: die Streifen eines Zebras, die Anordnung von Ballettstangen, die farbigen Sockel eines Bühnenbildes.
Bilder unterliegen kulturellen Konventionen: So finden sich unter den Fotografien mehrere von Anthony Perkins, der, obgleich homosexuell, der medialen Öffentlichkeit gezielt ein Familienleben präsentierte. Gerade diese unterschwellige Ambivalenz einer gelebten Ästhetik macht die Anziehungskraft von Lassrys Arbeiten aus. Sie sind schönes Objekt, kulturelles Zeitzeugnis, zum Stillleben geronnener Moment, surreales Arrangement und reflexive Bildkonstruktion.

Bis 
24.04.2010
Künstler/innen
Elad Lassry
Autor/innen
Yvonne Ziegler

Werbung