Alain Huck

Alain Huck · Eden Eden Eden, 2012, CCSP.
Foto: Marc Domage

Alain Huck · Eden Eden Eden, 2012, CCSP.
Foto: Marc Domage

Alain Huck · Tentation, 2012, Bilder: «Acte»
und «Ancholia», 2011, Holzkohle auf Papier, 214 x 317 cm, CCSP. Foto: Marc Domage

Alain Huck · Tentation, 2012, Bilder: «Acte»
und «Ancholia», 2011, Holzkohle auf Papier, 214 x 317 cm, CCSP. Foto: Marc Domage

Hinweis

Alain Huck

Seit ihrer Ernennung zu Direktoren des Centre Culturel Suisse Paris vor vier Jahren konfrontieren die Genfer Jean-Paul Felley und Olivier Kaeser das Pariser Publikum mit ungewohnter ästhetischer Formsprache. Verdienstvoll, führt es doch vom Hang zum glatten Glitter weg auf raue Ab-, Neben- und Holzwege, auch in Abgründe des Persönlichen. Alain Huck kennen sie «bereits seit vielen Jahren», so Felley. Und Kaeser fügt hinzu: «Auslöser für diese Ausstellung waren die jüngsten Zeichnungen Hucks, eine wichtige Entwicklung in seinem Werk. Der beste Moment, ihn dem Pariser Publikum zu präsentieren.»
Vier grossformatige Kohlezeichnungen bilden das Zentrum der Ausstellung, die zunächst nicht zu überzeugen vermag - disparat in Mitteln und Aussagen, als habe Huck alles mal ausprobiert, inklusive manch kunsthistorischem Vorbild. Das grobe Gestell aus in Aluminium abgegossenen Holzknüppeln, das wie eine primitive Bühne zwischen den Zeichnungen steht, erinnert an Bruce Nauman. Auch die Zeichnungen selbst, virtuos ausgeführt, fügen dem derzeit prosperierenden Medium keine neuen Aspekte hinzu - Didier Rittener arbeitet ebenso grossformatig, Marc Bauer ebenso narrativ. Mit beiden trat Huck, Mitbegründer des Kunstraums M/2 in Vevey, bereits 2009 im CCSP auf. Seit zehn Jahren entfaltet der 55-Jährige aus Lausanne sein zeichnerisches Werk. Die aktuellen Blätter changieren zwischen Nah- und Fernsicht, man sieht mal Landschaft, mal mikroskopische Oberflächen, gehüllt in Dürer'sches Helldunkel. Schon der Titel der Ausstellung, ‹Ancholia›, verlockt mit Blick auf Dürer dazu, ihn kurzerhand zur ‹Melancholia› zu vervollständigen - da merkt man: Hier geht es nicht um Schwermut, es geht um Gewalt. Um die Gewalt der Sinngebung. Um jene, die den Ur-Sprung, die erste Trennung von Sinn und Bild, erzeugt, wie, erneut mit kunsthistorischem Zitat, Hucks Schatten-Fotografien aus seinem Atelier mit dem Titel ‹l'origine du monde› nahelegen. Und plötzlich wird klar: Die Ausstellung ist ein theatrales Tableau, jedes Werk eine Szene im Drama der Sinnzuweisung, zur Klimax getrieben im geradezu grotesk sinnfälligen ‹Eden Eden›, in die Blätter einer Gruppe gefährlich spitzer Agaven geritzt, die wie auf einer Bühnenrampe den Weg versperren. Sprache, so könnte man interpretieren, steht am Ausgang aus dem Paradies, Schrift kerbt die gewaltsame Trennung immer neu ins Gedächtnis ein. Mit so viel Bedeutung auf der Zimmerpflanze kippt das Theatrale zur Theatralik. So fühlt man Absicht und ist verstimmt. Oder provoziert - Theatralik ist seit den nachrevolutionär ästhetischen Kämpfen verpönt, die société du spectacle wird verachtet, bis heute gilt nur als wahrhaftig, was ungekünstelt wirkt.

Bis 
14.04.2012
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Alain Huck 03.02.201215.04.2012 Ausstellung Paris
Frankreich
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