Körperwelten

Karin und Didi Fromherz · The Secret Hand­shake, 2015, Video

Karin und Didi Fromherz · The Secret Hand­shake, 2015, Video

Barbara Graf · Wirbelsäulenkleid,1996, Anatomisches Gewand V, Baumwolle, Tasche, Bedienungsanleitung

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Hinweis

Körperwelten

Die einen marschieren mit hohlem Kreuz durchs Leben, die anderen lassen die Schultern hängen. Körpersprache sagt alles. Darauf zielt die Gruppenausstellung ‹Corpus Transmitter› im Trudelhaus Baden, in der sieben Künstlerinnen und zwei Künstler mit eigenen und fremden Körpern Formen der Kommunikation ausloten. Witzig und winzig gestaltet sich gleich der Auftakt der Schau: Auf einem an die Wand gehefteten Handybildschirm üben sich Karin und Didi Fromherz in Moves und Ritualen junger Gangs. ‹The Secret Handshake› ist eine Mischung aus Balzverhalten, Kampfansage und Freundschaftsbekundung: Fingerspitze an Fingerspitze, Schulter gegen Schulter, Stirn auf Stirn - geilo, Mann! Die Verhaltenscodes der jungen Generation werden mit dem bildgestalterischen Kniff der Pixilation, dem filmischen Aneinanderreihen von Einzelaufnahmen, in ruckelige Bilder übersetzt, und der rituelle Handshake wird damit ad absurdum geführt. Eine heitere Persiflage auf jugendliche Körpersprache, denkt man, bis Schüsse fallen. Das Drama läuft im Hintergrund ab, ohne dass man erfährt, was geschieht. Die Moves und die Handyaufnahmen werden unbeirrt fortgesetzt. Karin Fromherz, die einst unter ihrem Mädchennamen Gemperle mit der Schildkrötengeschichte ‹Zuppa Tartaruga› die Herzen des Publikums eroberte, ist in der Neuzeit angekommen. Ihr Galgenhumor ist bissig geworden, ziemlich bissig.
Wenn nun weiter Renata Büntner stachelige Kastanienhüllen mit Gips füllt und daraus kleine Torsi entstehen lässt und wenn Dunja Herzog mit gedörrten Bohnen Wörter formuliert, dann beginnen Körperteile zu sprechen. Irene Maag formt mit blattvergoldeten Fingern die Frage «Woran würdest du merken, dass ein Wunder geschehen ist?». Wunderliches beschert einem zweifellos auch die Wahl-Wienerin und Lassnig-Schülerin Barbara Graf aus Winterthur. Ihr ‹Wirbelsäulenkleid› aus blassem Linnen, halb Mumie, halb Korsett, gibt Rätsel auf: Wer wird hier vermessen, einbandagiert oder gar (mund)tot gemacht? Hat sich die anwesende Person verflüchtigt? Die beigefügte Gebrauchsanweisung fordert dazu auf, das textile Skelett fein säuberlich zu falten und in eine Handtasche zu packen. Man soll getrost die Hüllen und Bürden des Alltags wegtragen. Gleiches gilt auch für die von Esther Amrein und Andrina Jörg kuratierte Gesamtschau: Schultern rauf und rein ins intelligente Vergnügen.

Bis 
23.04.2016
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Corpus Transmitter 26.02.201623.04.2016 Ausstellung Baden
Schweiz
CH
Autor/innen
Feli Schindler

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