Anna Amadio - Liebe Farbe, Dear Colour

Anna Amadio · Liebe Farbe, Dear Colour, Ausstellungsansicht Kunst(Zeug)Haus, 2018. Foto: Andri Stadler

Anna Amadio · Liebe Farbe, Dear Colour, Ausstellungsansicht Kunst(Zeug)Haus, 2018. Foto: Andri Stadler

Besprechung

Die Schweiz sei eine «Symphonie in Grau», konstatiert der ­Kurator Peter Stohler anlässlich der Presseeröffnung. Umso kontrastreicher fällt Anna Amadios künstlerische Antwort aus. Mit kräftigen Farben, mit objekthafter Malerei und mit flächiger Plastik hat sie im Kunst(Zeug)Haus Einzug gehalten.

Anna Amadio - Liebe Farbe, Dear Colour

Wer den grossen Saal im Kunst(Zeug)Haus betritt, wird mit enormen Farblachen, triefenden Stillleben, fragilen Gerüsten und leeren Bilderrahmen konfrontiert. Und rund um die weisse Leinwand einzelner Phantombilder scheint Farbe hervorzuquellen und auf die Wand überzulaufen. «Ich bin Forscherin, Malerin, die Objekte macht, Bildhauerin mit Farbmaterie», charakterisiert sich die Baslerin Anna Amadio (*1963, Belp). Es gehe um Bilder, um das Fliessen von Farbe und um Komposition: «Ich habe mich auf das Bild konzentriert, das in ein Objekt kippen und dann wieder zweidimensional werden kann.» Die besondere Reibung erfährt ihre malerische Recherche in der Auseinandersetzung mit dem Genius Loci - der Landschaft am oberen Zürichsee. Doch Postkartenidyllen sucht man vergebens. Dennoch schwingt das kunsthistorisch Beschauliche mit hinein. Denn steht man vor ‹Malen am See, grün›, 2018, einer knallgrünen überdimensionierten Farbhaut, und blickt in die wellige Oberfläche, lassen sich die Abgüsse einer Malerei in barockem Rahmen und eines Sessels erkennen. Als Bildvorlage diente Amadio ein historisches Gemälde des oberen Zürichsees, das sie gekauft, übermalt, mit einer Mischung aus Farbe und Leim übergossen und abgezogen hat. Nun hallen die Wölkchen, die Bäume, das Seebecken wie ein fernes Echo in der monochromen Farbfläche nach. Ebenso der Chesterfield-Museumshocker, den sie daraus aufsteigen bzw. darin versinken lässt.
So wie die «Meisterin der Prozesse» früher mit PVC experimentierte, diesen zu transparenten Häuten aufblies, schweisste, schrumpfte oder nutzte, um ganze Büroeinrichtungen zu vakuumieren, spielt sie nun mit den sinnlichen Qualitäten von Farbe. Sie giesst, schwenkt, fängt sie in Folien auf, lässt sie erneut überfliessen, klatscht sie ab oder überträgt sie mit Frottagen. Dabei zoomt sie ganz nah an die Farboberflächen heran und macht die durch mehrfaches Umhängen beim Trocknungsprozess manipulierte Fliessbewegung spürbar. Wie die Landschaft an sich, lassen uns die Werke auch das mitdenken, was wir gerade nicht mehr oder noch nicht sehen.
«Ich mag Landschaftsmalerei, Landschaftsmalerei ist maximale Ausdehnung in der Höhe, der Breite und der Tiefe.» Die Rückfahrt von Rapperswil bietet die richtige Kulisse, um Anna Amadios Werke nochmals aufleuchten zu lassen. Vor dem Zugfenster ziehen winterlich kahle Wälder vorbei, graue, braune, fahlgelbe Felder, auf denen nur noch vereinzelt etwas welkes Grün stehen geblieben ist.

Bis 
06.05.2018
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kunst(Zeug)Haus Schweiz Rapperswil-Jona
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Anna Amadio 25.02.201806.05.2018 Ausstellung Rapperswil-Jona
Schweiz
CH
Künstler/innen
Anna Amadio
Autor/innen
Claudia Jolles

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