Charles Atlas - Horrorshow

Charles Atlas · 2003, 2003/2018, Video still, Courtesy Luhring Augustine, New York

Charles Atlas · 2003, 2003/2018, Video still, Courtesy Luhring Augustine, New York

Charles Atlas · 2003, 2003/2018, 4-Kanal-Videoinstallation, Ausstellungsansicht Migros Museum für Gegenwartskunst, Courtesy Luhring Augustine, New York. Foto: Lorenzo Pusterla

Charles Atlas · 2003, 2003/2018, 4-Kanal-Videoinstallation, Ausstellungsansicht Migros Museum für Gegenwartskunst, Courtesy Luhring Augustine, New York. Foto: Lorenzo Pusterla

Besprechung

Seit fünfzig Jahren widmet sich Charles Atlas dem Bewegtbild, heute ist er einer der Protagonisten im Bereich Film- und Videokunst. Durch seine Zusammenarbeit mit Choreografinnen, Tänzern und Performance-Künstler/innen beschäftigt er sich mit dem Körperlichen, mit Identitäts- und Repräsentationsfragen.

Charles Atlas - Horrorshow

Mit orangefarbener Cap, orange gefärbten Koteletten und ‹Clockwork Orange›-T-Shirt führt der amerikanische Künstler Charles Atlas (*1949, St. Louis, Missouri) durch seine Ausstellung im Migros Museum für Gegenwartskunst. ‹Scary, Scary, Community Fun, Death› ist eine Präsentation von insgesamt fünf Videoinstallationen, die Einblick in sein Schaffen der letzten zwanzig Jahre geben.
Bekannt wurde Atlas in den Siebzigerjahren durch die Zusammenarbeit mit verschiedensten Performance-Künstler/innen, darunter Leigh Bowery und Marina Abramovic, mit Tänzern wie Michael Clark sowie mit Choreografinnen wie Yvonne Rainer oder Merce Cunningham. Mit Letzterem entwickelte Atlas beispielsweise ­eine neue Filmtechnik, die er «media dance» nannte: Statt eine Aufführung frontal, von einem statischen Punkt aus zu filmen, bewegt sich die Kamera mit der Tänzerin oder dem Performenden mit. 1985-1986 realisierte Atlas den fiktionalisierten Dokumentarfilm ‹Hail the New Puritan› über Michael Clark, der für seine experimentellen Choreografien bekannt ist. Darin vereint Atlas Tanz und Travestie, schafft so neue körperliche Ausdrucksformen und thematisiert die Subkulturen aus dem Londoner Underground während der aufkommenden Aids-Krise.
Den Körper als Ausdrucksform im Kontext von Identitätsfragen bringt Atlas oft zur Sprache. So ist die ausgestellte Arbeit ‹2003›, 2003/2018, ein Querschnitt der Sub- und Popkultur New Yorks. Ausgangspunkt sind Filmporträts, die im Ausstellungsraum ‹Participant Inc.› entstanden. Freund/innen, Bekannte, aber auch Besuchende konnten sich vor der Kamera inszenieren: Zu sehen sind das Close-up ­eines Mannes mit blonder Perücke oder die Aufnahme einer korpulenten Frau, die um ­einen Stuhl tänzelt, während sie sich ihrer Dessous Stück für Stück entledigt. Dabei werden teilweise mehrere Bilder überblendet oder mit gesättigten Farben im sogenannten Chroma-Key-Verfahren vermischt. So bewegt sich die Videoinstalla­tion zwischen Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung, zwischen Vertrautheit und Verfremdung, thematisiert die Freude an der Selbstinszenierung, das Ausbrechen aus Konventionen, aber auch Fragen nach Gender und Sexualität. Ergänzt werden die Porträts mit Fernsehbeiträgen desselben Jahres, die über den Irakkrieg berichten. Die Arbeiten von Atlas sind vieles gleichzeitig: Scary, Fun, Life and Death. Dabei bleibt nur die Frage, aus welcher Perspektive man sie betrachtet.

Bis 
13.05.2018

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