Die Zelle - Weisse Wände hinter Gittern

Die Zelle, Installationsansichten Kunsthalle Bern, 2018. Oben: Cosima von Bonin · Reference Hell #1 (YSL Fauteuil), 2007, und Manuel Burgener · Untitled, 2018. Unten: Heimo Zobernig · Ohne Titel, 2006 (Figur und Gestell) © ProLitteris; Cosima von Bonin · Off Mirror (Balcony & Tires), 2007; Beat Frank · Tisch 8, 2018, und Marc Camille Chaimowicz · Lampshade 6 und 4, 2014. Fotos: Gunnar Meier

Die Zelle, Installationsansichten Kunsthalle Bern, 2018. Oben: Cosima von Bonin · Reference Hell #1 (YSL Fauteuil), 2007, und Manuel Burgener · Untitled, 2018. Unten: Heimo Zobernig · Ohne Titel, 2006 (Figur und Gestell) © ProLitteris; Cosima von Bonin · Off Mirror (Balcony & Tires), 2007; Beat Frank · Tisch 8, 2018, und Marc Camille Chaimowicz · Lampshade 6 und 4, 2014. Fotos: Gunnar Meier

Besprechung

Die erste Ausstellung im Jubiläumsjahr der Kunsthalle Bern zeigt Kunstwerke mit Neigung zum Möbel. Kunstschaffende unterschiedlicher Generationen und Nationen loten Grenzräume aus. Sie sakralisieren teils den Status von Kunstobjekten, teils jenen der Kunsthalle als «weisser Zelle».

Die Zelle - Weisse Wände hinter Gittern

Parallel zur Art Basel findet auf dem Messeareal die Design Miami/Basel statt und an der diesjährigen Art Genève waren einige Zellen für Designobjekte reserviert. Ob Kunstwerk oder Möbelstück, ein beträchtlicher Teil der Gegenstände wird dasselbe Schicksal erfahren und nach Verkauf privaten Wohnraum schmücken. Auch rein anhand ihrer optischen Erscheinung ist nicht immer zu erkennen, ob sie in die Kunst- oder in die Designecke gehören. Beiden gemein ist die häufig minimalistische Formensprache. Dies führt Cosima von Bonin (*1962, Mombasa) mit einem Sessel vor, der aus zwei mit hellem Kuhfell überzogenen Kissen besteht. Ihre Quaderform und die Ausrichtung mit der Kante zur Wand erinnern sofort an die specific objects Donald Judds - der ja umstrittenerweise auch Möbel entwarf. Passend trägt das Werk den Titel ‹Reference Hell #1 (YSL Fauteuil)›. Um als benutzbares Möbel zu funktionieren, hängt die Halterung der Kissen allerdings einige Zentimeter zu weit oben.
Andere Exponate muten wohntechnisch gesehen weniger dysfunktional an. So sorgen die Lampe von Manuel Burgener (*1978, Thun) in ihrer Stehtischoptik und die (fixe) Heizung neben dem «Fauteuil» für Wohnzimmerambiente. Ihre Nähe zum Möbel wird unterstrichen dadurch, dass eine ähnliche Leuchte im nächsten Raum in anderem Arrangement erneut auftritt. Weiter steigert sich diese Verwandtschaft in den hängenden Glühbirnen Joseph Zehrers (*1954, Perbing), die andernorts das Museumscafé erhellen. Beat Frank (*1949, Bern) schliesslich verkauft Objekte sowohl als Möbel als auch als Kunstwerk. In der Ausstellung wird auf Stühle um seine Tische aus modularen Elementen verzichtet, wodurch der Fokus auf den ausgeklügelten Formen liegt. Trotz häufigem Einsatz von industriellen Materialien und den bekannten wohnlich hellen Grautönen stellt sich die Frage somit nicht wirklich, ob es sich bei den gezeigten Werken um Kunst oder um Design handelt.
Dazu trägt freilich auch der Status der Kunsthalle als «weisser Zelle» («White Cube» im Originaltext von Brian O'Doherty) bei. Die friesartige Hängung im Hauptraum und ein Gebetsstuhl im Untergeschoss spielen auf die Wahrnehmung als heilige Hallen an. Mit einem ortspezifischen Werk lenkt Burgener den Blick auf die ornamentalen Deckenfenstern und weist darauf hin, dass die Kunsthalle architektonisch nur bedingt einer neutralen weissen Zelle entspricht. Ein weiteres Element dieser Art sind die seit jeher vergitterten Fenster, hinter denen die Kunsthalle - bei aller Freiheit einer weissen Zelle - stets mit gewissen Erwartungen konfrontiert ist.

Bis 
06.05.2018

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