Gerhard von Graevenitz

Gerhard von Graevenitz · Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2018 © ProLitteris.
Foto: Stefan Altenburger

Gerhard von Graevenitz · Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2018 © ProLitteris.
Foto: Stefan Altenburger

Gerhard von Graevenitz · Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2018 © ProLitteris.
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Gerhard von Graevenitz · Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2018 © ProLitteris.
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Hinweis

Gerhard von Graevenitz

Es ist gut zwanzig Jahre her, seit man zuletzt Werke von Gerhard von Graevenitz (1934-1983) in einer grossen musealen Einzelausstellung in Bremen sehen konnte. Sonst trifft man allenfalls vereinzelt auf seine Werke in Gruppenausstellungen zu kinetischer, konkreter oder monochromer Kunst der Sechziger- und Siebzigerjahre, insbesondere zu Nouvelle Tendance oder ZERO. Das Haus Konstruktiv widmet dem 1983 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommenen deutschen Künstler nun eine Retrospektive. Neben wenigen frühen Materialbildern, anhand derer seine Ablösung von der Materialität und Gestik des Informel Ende der Fünfzigerjahre deutlich wird, fällt der nach Ordnung und «natürlicher» Variation suchende Grundton der monochromen, zumeist weissen Reliefbilder und der zweifarbigen kinetischen Werke ins Auge.
Die ausgestellten Reliefbilder weisen halbkugelartige Erhöhungen und Vertiefungen auf, die auf beziehungsweise in eine Masse aus Kreide und Schwerspat gedrückt wurden. Mal dicht gesetzt und nahezu taktil berührend, mal in grossen Abständen nach den Gesetzen des Zufalls nach Aufwerfen einer Münze angeordnet, ergeben sich im Zusammenspiel mit wechselnden Lichtsituationen immer wieder unterschiedliche Werkeindrücke. Um dies intensiv erfahren zu können, wäre allerdings seitliches Tageslicht günstiger. Auch die kinetischen Werke fordern zum langen Beobachten auf. Nur so kann die Choreografie von sich langsam drehenden Metallstäben auf weissem Grund verfolgt oder die An- und Abstossungsbewegungen unzähliger roter Punkte auf blauem Rund betrachtet werden. Die Bildobjekte scheinen lebendig zu sein, wenn etwa ein etwas unförmiges weisses Rund sich vor einer schwarzen Platte kippelnd und ächzend umherbewegt. Überhaupt hört man das Surren und Schaffen der alten Motoren oder das leise Klappern der metallenen Blättchen von Lichtobjekten. Durch Drehung zaubern Letztere zusammen mit seitlich angebrachten Lämpchen eine sich ständig wandelnde Konglomeration von Strahlen ins Dunkel. Der gedanklichen Strenge und konkreten Anlage der Arbeiten, die von Graevenitz bewusst der Intuition des Künstlergenies entgegenstellte, entsprechen Titel wie ‹Acht Streifen, leere Mitte› oder ‹Zwei horizontale Achsen im Quadrat auf der Spitze›. Neben dem künstlerischen Werk, das um Licht, Raum, Bewegung, Zeit und Spiel kreist, war von Graevenitz zudem als beredter Galerist, Zeitschriftenherausgeber und Ausstellungsorganisator tätig.

Bis 
06.05.2018

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