Mohamed Bourouissa

Mohamed Bourouissa · Ohne Titel, 2014, Farbfotografie: Lucia Thomé, Courtesy Kamel Mennour, Paris/London © ProLitteris

Mohamed Bourouissa · Ohne Titel, 2014, Farbfotografie: Lucia Thomé, Courtesy Kamel Mennour, Paris/London © ProLitteris

Mohamed Bourouissa · Ohne Titel, série Horse Day, 2017 Collage auf Papier, 43 x 35 cm,
Courtesy Kamel Mennour, Paris/London
© ProLitteris

Mohamed Bourouissa · Ohne Titel, série Horse Day, 2017 Collage auf Papier, 43 x 35 cm,
Courtesy Kamel Mennour, Paris/London
© ProLitteris

Hinweis

Mohamed Bourouissa

«Man weiss bei meinen ­Fotografien nie, wo man sich befindet, ist in einem undefinierten Raum, in einem Grenz-Raum», sagte Mohamed Bourouissa (*1978 in Blida), als er vor acht Jahren in der auf afrikanische Kunst spezialisierten Stiftung Blachère gezeigt wurde. Heute wird der in Algerien geborene, in Paris studierte Künstler von der Galerie Kamel Mennour vertreten und er gehört zu den Nominierten für den Prix Duchamp 2018. Es wäre interessanter, diese Erfolgsgeschichte nachzuerzählen, als dessen aktuelle Ausstellung im Musée d'art moderne de la ville de Paris. ‹Urban Riders› ist sein bisher schwächster Auftritt. Zwar bleibt er seinem Thema treu: Die Darstellung gesellschaftlicher Randgruppen. Aber wo ist die an Jeff Wall erinnernde visuelle Energie, die Serien aus der Pariser Vorstadt wie ‹Périphérie›, 2005-2009, beseelte? Wo ist die Leichtigkeit, die Ethnografisches und Sozialpsychologisches in selbständige plastische Formen übertrug? Im Museum hängen banale Reste einer Studienreise: Afroamerikaner in Philadelphia, die auf Bourouissas Initiative in den Ställen der Fletcher Street Pferde «tunen», also mit selbst gebasteltem Dekor verzieren und sie dann im Western-Stil vorführen. Amerikanische Augen frappiert ein Schwarzer hoch zu Ross - doch dieser visuelle «Hit», vom Künstler gezielt inszeniert, kommt in Paris kaum rüber. Stattdessen hängt Bourouissa leblosen Pferdeschmuck auf, liefert Schnappschüsse einer anonym bleibenden Reiter-Community, inszeniert Zeichnungen ohne klaren Zusammenhang. Anders als bei ähnlich in soziale Fremdwelten intervenierenden Künstler/innen wie Bertille Bak, Larry Clark oder Latoya Ruby Frazier bleiben Bourouissas Menschen Projektionsfläche für Stereotypen. Installationen mit Autokarosserieteilen, auf die Fotos der amerikanischen Reiter belichtet wurden, setzen platt Auto- und Pferdetuning äquivok. Der in Doppelprojektion gezeigte Film ‹Horse Day› hängt unentschieden zwischen Dokumentation und Fiktion. Es ist, als würde Bourouissa ästhetisches Rohmaterial aus sozialen Brandzonen in die wohlfeile Industrieform «zeitgenössische Kunst» umschmelzen. Man könnte auch an Ritterturniere denken - voller Schimären aus dem mittelalterliche Europa und dem zeitgenössischen Amerika. Doch solche Grenz-Raum-Gänge bleiben mangels künstlerischer Entschlossenheit und klarer plastischer Haltung versperrt.

Bis 
22.04.2018

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