Sara Gassmann / Simon Kindle

Simon Kindle · Wappen ohne Habicht, 2018, Skizze zur Installation im Dachboden

Simon Kindle · Wappen ohne Habicht, 2018, Skizze zur Installation im Dachboden

Sara Gassmann · Kingfisher, 2016, Acryl, Acrylspray und Tinte auf Baumwolle, 120 x 120 cm

Sara Gassmann · Kingfisher, 2016, Acryl, Acrylspray und Tinte auf Baumwolle, 120 x 120 cm

Hinweis

Sara Gassmann / Simon Kindle

Nach Renovierungsarbeiten eröffnet der Kunstraum Benzeholz mit einer Doppelausstellung von Sara Gassmann und Simon Kindle. Der Beitrag von Simon Kindle (*1983) ist eine käfigartige Struktur, gebaut wurde sie für den Dachstock des Gebäudes Diese Volière aber ist leer, der Vogel ist ausgeflogen. In einer flaschenhalsartigen Verengung, einer Flugscharte nicht unähnlich, kragt der Einbau aus der Fenstereröffnung heraus und entlässt den Blick in die Freiheit, auf das Panorama, welches der Vierwaldstättersee bietet. Besuchende, die eintreten, sind direkt mit der Frage konfrontiert, was drinnen ist und was draussen. In einer Zeit, in der so viel über Mauern und Zäune gesprochen wird, drängt sich die Bestimmung des eigenen Standpunkts auf - eingesperrt oder ausgegrenzt? Der leere Raum aber wird zum Schallraum: Zu hören sind Aufnahmen der Schwingen eines Vogels, genauer eines Habichts, der nur mittels Ton mitten durch den Dachstock rauscht. Der Habicht ist das Meggener Wappentier, normalerweise hat er seinen Platz zwischen den Türmen einer stilisierten Burg - in Kindles Entwurfszeichnung bleibt diese Stelle jedoch leer. Wohin ist er entkommen?
Sara Gassman (*1980) arbeitet in ihrer Malerei gegen den Rahmen an, den Format, Grund und Farben vorgeben, auch wenn diese Wächter der Gattung der experimentierfreudigen Künstlerin viel Freiraum lassen. Ihre mit Gouache hingeworfenen amorphen Formen - die Bilder entstehen rasch, gerade so, als ob auch die Kontrolle des zu langen Nachdenkens über eine Entscheidung ausgespielt werden sollte - nähern sich figurativen Zügen an, bleiben dann aber in einem unbestimmten Zwischenzustand stecken. Anhaltspunkte lassen Schemen erkennen, die sich zu Kreaturen fügen, zu Landschaften, Stillleben - die dann aber wieder auseinanderbrechen, wenn der Blick über das gesamte Bildfeld schweift und feststellt, wie kühn und gekonnt die Farben in ihrer Tonalität und Opazität das Geschehen beherrschen. Gleichzeitig zur Ausstellung im Benzeholz zeigt Gassmann im Elephant House in Luzern keramische Skulpturen. Sucht die Malerei nach Entgrenzung, strebt ihre Keramik nach Gestaltwerdung. Die Objekte sind abstrakt, aber hat sich eine Assoziation erst einmal festgesetzt, lässt sich über ihre kreatürliche Natur fast nicht mehr hinwegsehen.

Bis 
22.04.2018

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