Sehnsuchtsorte

Monica Studer / Christoph van den Berg · Wiese, 2005/2010, Realtime-Animation, Courtesy Galerie Nicolas Krupp

Monica Studer / Christoph van den Berg · Wiese, 2005/2010, Realtime-Animation, Courtesy Galerie Nicolas Krupp

Teresa Hubbard / Alexander Birchler · Eighteen, 2013, UHD Video mit Ton

Teresa Hubbard / Alexander Birchler · Eighteen, 2013, UHD Video mit Ton

Hinweis

Sehnsuchtsorte

Unter dem Thema ‹Sehnsuchtsorte› präsentiert das Kunsthaus Baselland Ankäufe, in Nachbarschaft zu Einzelpräsentationen. Dazu gehört das Format ‹Solo Position›, das regionalen Künstler/innen wie Nicole A. Wietlisbach (*1989) eine erste Ausstellung ermöglicht. Die Künstlerin lässt notenschriftähnliche Strukturen, die Landschaftliches evozieren, über mehrere Räume hinwegwandern. Reduziert auf wenige Linien und Punkte nehmen sie Verbindung zu Klängen auf, die unscheinbare Objekte im Raum aussenden. Zusammen mit grossen Kreidezeichnungen an Wandtafeln entsteht ein Gewebe aus akustischen und visuellen Momenten, die sich zur multisensorischen Gesamtkomposi­tion zusammenfügen.
Digitale Refugien befragt Esther ­Hunziker (*1969). Was heisst Individualität, was Entfremdung in einer virtuellen Welt? Mit ‹Hi There› spielt sie auf eine gängige Kontaktaufnahme mit Unbekannten im Netz an. Auf mehreren Monitoren präsentiert sie einen Kluster aus emotionalen Äusserungen junger YouTube-Streamer, der sich im Raum zum babylonischen Sprachgewirr verdichtet. In einer fotografischen Bilderfolge zeigt die Künstlerin Laborräume mit Fremdeinwirkung: Meteoriten tauchen hier als Konglomerat nicht identifizierbarer Materialien aus den Bildströmen der Netzwerke auf. Vertrautes steht Fremdheit und Isolation gegenüber.
Auch die Idylle einer blühenden Alpenwiese von Studer/van den Berg taugt nicht als Zufluchtsort. Leichten Fusses zwischen Alpenkräutern, Enzianen und Schmetterlingen dahinschreitend, weckt der digitale Spaziergang zunehmend Unbehagen. Die Fixierung des Blicks wird zum Zwang. Trügerisch auch die Bilderwelt von ‹Eighteen›, 2013. Hubbard/Birchler knüpfen an ihre frühere Arbeit ‹Eight›, 2001, an und zeigen die nun achtzehnjährige Frau im Kreise ihrer Freunde. Jugend als Ideal entlarvt sich als melancholische und brüchige Narration.
Zum Nachdenken über ein Paradies auf Erden lädt das Video von Max Philipp Schmid ein, der seinen Protagonisten im Gewächshaus darüber philosophieren lässt. Gibt es eine heile Welt? So erlebt sie wohl die Hühnerschar von Steiner/Lenzlinger. Im Video ‹Schlaraffenland›, 2014, gackert das Federvieh zwischen bunten Blumen und erlabt sich genüsslich an erlesenen Leckereien, die von Spaghetti bis zum Schokoladenpudding mit Schnecken reichen. Was für ein Hühnerleben!

Bis 
02.04.2018
Autor/innen
Iris Kretzschmar

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