There Will Come Soft Rains

Julian Charrière · Iroojrilik, 2016, 4-Kanal-Video basierend auf 16-mm-Film, 24'', Still © ProLitteris

Julian Charrière · Iroojrilik, 2016, 4-Kanal-Video basierend auf 16-mm-Film, 24'', Still © ProLitteris

Carolina Gaycedoe · Foresight Filaments I und II, beide 2018, bedruckte Textilien gefüllt mit Schaumstoff, je 900 x 45 cm, und: This Is Not Water, 2015, HD-Video, 1 Kanal, 5'20'', Ton: Daniel Pineda, ­Ausstellunsansicht basis e.V. Frankfurt/M, Courtesy Instituto de Visión, Bogotá. Foto: Frithjof Kjer

Carolina Gaycedoe · Foresight Filaments I und II, beide 2018, bedruckte Textilien gefüllt mit Schaumstoff, je 900 x 45 cm, und: This Is Not Water, 2015, HD-Video, 1 Kanal, 5'20'', Ton: Daniel Pineda, ­Ausstellunsansicht basis e.V. Frankfurt/M, Courtesy Instituto de Visión, Bogotá. Foto: Frithjof Kjer

Besprechung

Das Wasser steigt und steigt. Bald schon bedeckt es den ­Boden meterhoch, zwischen den verlassenen Tischen und Stühlen treiben Hamburger-Verpackungen und Pappbecher, schwimmt eine Ronald-McDonald-Werbefigur vorüber, deren einladend gemeintes Grinsen ins Leere geht.

There Will Come Soft Rains

Das Video ‹Flooded McDonalds›, 2009, der dänischen Gruppe Superflex ist längst ein Klassiker - und ein passender Auftakt für eine Ausstellung, die danach fragt, wie eine Welt ohne den Menschen aussehen wird. Ihren poetischen Titel hat sie einem Gedicht von Sara Teasdale entlehnt, das 1918 in ‹Harper's Bazaar› erschien. Es entwirft in wenigen zarten Zeilen eine Zukunft, in der sich Tiere und Pflanzen den Planeten zurückerobert haben. Auch daran schliessen die Beiträge der Künstlerinnen an - aber eben auch an die dystopische Variation des Themas, die sich in der gleichnamigen Science-Fiction-Kurzgeschichte von Ray Bradbury findet.
Deren postatomares Szenario nimmt etwa Julian Charrière (*1987) mit seinem Video ‹Iroojrilik›, 2016, auf, dessen Bilder uns in die ebenso berückend schöne wie in ihrer sichtbaren Verlassenheit bedrückenden Ruinenlandschaften des Bikini-Atolls entführen. In ‹Pacific Fiction›, 2016, rahmen zu Pyramiden geschichtete, mit Blei ummantelte Kokosnüsse das Monument verirrter Rüstungspolitik. Pinar Yoldas (*1979) gewinnt in ihrem seit 2013 entwickelten ‹Ecosystem of Excess› dem die Kontinente zunehmend verschmutzenden Plastikmüll eine surreale Schönheit ab, indem sie aus ihm erwachsende neue Lebensformen imaginiert. Carolina Caycedo (*1978) lädt in ‹This Is Not Water›, 2015, dazu ein, sich auf den toxisch bunten Schlingen ihrer ‹Foresight Filaments›, 2018, niederzulassen, um aus Nachbildern von Naturschönheit kaleidoskopisch kompilierte, synthetische Landschaftsidyllen zu kontemplieren.
Welche Botschaften hält die «Welt ohne uns» für die Gegenwart bereit? «Being is Broadcasting», murmelt der Chor, «Individuality is Isolation.» Die Protagonist/innen der Installation ‹The Molecular Ordering of Computational Plants›, 2018, von Andreas Greiner (*1979) und Tyler Friedman (*1983) sind zunächst unsichtbar. Erst wenn sich die Augen an die Dunkelheit adaptiert haben, erkennt man die Petrischalen auf dem mittig platziertenTisch. In diesen sind Lautsprecher eingelassen, die Schallwellen erzeugen. Diese wiederum stimulieren die in den Schalen hausenden biolumineszenten Algen. Wer sich von den Stimmen und Klängen in Bann schlagen lässt, wird mit ihrem grünen Schimmer belohnt - und, selbst stimuliert, dieses Bild zusammen mit der Erzählung und ihren Bildern später ins Licht des Alltags mitnehmen können.
Und vielleicht diesen Gedanken: dass zwischen all dem Müll, den wir auf dem Planeten hinterlassen haben, das Leben andere Allianzen bilden wird als jene, die wir zu dirigieren meinten. Der Mensch mag dem Ende des Menschen entgegensehen und diesem weiter zuarbeiten. Aber das ist nicht das Ende der Welt.

Bis 
15.04.2018
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
basis Deutschland Frankfurt/M
Autor/innen
Verena Kuni

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