Anna Winteler — Körperarbeit. Eine Retrospektive

Anna Winteler · Discours des Montagnes à la Mere [sic] /Rede der Berge an das Meer, 1985–1988, Installationsansicht Kunsthaus Baselland 2019. Foto: Serge Hasenböhler

Anna Winteler · Discours des Montagnes à la Mere [sic] /Rede der Berge an das Meer, 1985–1988, Installationsansicht Kunsthaus Baselland 2019. Foto: Serge Hasenböhler

Anna Winteler · Körperarbeit, Installationsansicht Kunsthaus Baselland 2019. Foto: Serge Hasenböhler

Anna Winteler · Körperarbeit, Installationsansicht Kunsthaus Baselland 2019. Foto: Serge Hasenböhler

Besprechung

Das aktuelle Solo von Anna Winteler zeigt weitaus mehr als ­einen umfassenden Rückblick auf ihr künstlerisches Schaffen der ­Jahre 1979–1991. Die im Kunsthaus Baselland inszenierte Ausstellung ermöglicht eine zeitgemässe Rezeption ihres lebendigen Werks und einen neuartigen Zugang für das heutige Publikum.

Anna Winteler — Körperarbeit. Eine Retrospektive

Basel/Muttenz — Bereits mit dem nüchternen Titel ‹Körperarbeit› lassen sich jene Praktiken umschreibend fassen, die Anna Winteler (*1954, Lausanne) auf ganz verschiedenen Ebenen, jedoch stets mit enormer Intensität beschäftigen. Angefangen bei der Ausbildung im klassischen Ballett über den Wechsel ins Experimentierfeld Performance- und Videokunst bis hin zur Neuorientierung auf den sozialen Bereich Physiotherapie – immer steht die unmittelbare Arbeit am und mit dem Körper, seinen Möglichkeiten, Grenzen und seiner Verortung in Raum und Gesellschaft im Zentrum. Blickt man – ihren Werdegang im Hinterkopf – auf die Dichte dieser Werkschau, wird deutlich, dass Winteler in ihrem Schaffen stetig voranschreitet, prozessorientiert und ohne Rückblicke. Mit diesem Ansatz erreicht sie eine Linearität innerhalb der Arbeit, die vielleicht erst mit dieser Ausstellung in aller Deutlichkeit sichtbar wird. Wie es in der frühen Videoarbeit ‹Le Petit Déjeuner sur la route d’après Manet›, 1979, entlang des Basler Rheinufers quasi sinnbildlich nur eine Laufrichtung gibt und ihre Zeitlupen-Performance ohne Probe mit nur einer Aufnahme im Kasten war. Gleiches gilt für ‹Gesichtsstudien I›, 1981, bei der die Aufnahme der Echtzeit der Performance entspricht – so lange, wie Winteler den Kraftakt des permanenten Wechsels vom Stand in den Handstand und zurück zu vollziehen vermag. Auch beim Pirouettendrehen bis zur Erschöpfung, ‹Tours de force›, 1985, oder im Akt des Fallenlassens und Aufstehens, ‹La Traviata›, 1980, führt sie ihren Körper ans ­Limit. Die Bewegungen an sich und mit der Kamera werden dabei gleichermassen zum Balanceakt, den Winteler selbstsicher auslotet. Die Videoaufzeichnungen dienen ihr nicht bloss als Dokumentation ihrer Live-Performances, wie etwa der Film zur ‹Holzperformance›, 1981, im Kunsthaus Zürich. Ihr Interesse gilt der erweiterten Perspektive und Selbstwahrnehmung mittels Technik, für die das Equipment zuweilen auch direkt am eigenen Körper zum Einsatz kommt. So etwa, wenn Winteler parallel mit zwei Handkameras die Bodenchoreografie der Tänzerin Monica Klingler filmt oder mit kiloschwerer Ausstattung die Berge besteigt. Beide, ‹Horizontal Walz›, 1989, und ‹Discours des Montagnes à la Mere›, 1988, sind die raumgreifendsten Werke innerhalb der Ausstellung. Sie führen klar vor Augen, dass sich für Anna Winteler die vermeintliche Einschränkung von der Dreidimensionalität der Bühne in die Zweidimensionalität des Videos als Erweiterung der Ausdruckformen erweist.

Bis 
28.04.2019
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kunsthaus Baselland Schweiz Basel/Muttenz
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Anna Winteler 25.01.201928.04.2019 Ausstellung Basel/Muttenz
Schweiz
CH
Autor/innen
Alice Wilke
Künstler/innen
Anna Winteler

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