Chloé Delarue — Tafaa – New Rare Xpendable

Chloé Delarue · Tafaa – New Rare Xpendable, 2019, Ausstellungsansicht Kunsthaus Langenthal. Foto: Martina Flury Witschi

Chloé Delarue · Tafaa – New Rare Xpendable, 2019, Ausstellungsansicht Kunsthaus Langenthal. 
Foto: Martina Flury Witschi

Chloé Delarue · Tafaa – New Rare Xpendable, 2019, Ausstellungsansicht Kunsthaus Langenthal. Foto: Martina Flury Witschi

Chloé Delarue · Tafaa – New Rare Xpendable, 2019, Ausstellungsansicht Kunsthaus Langenthal. 
Foto: Martina Flury Witschi

Besprechung

Ausgeweidete Gerätschaften, Neonröhren und Abformungen in Latex verbinden sich in der Ausstellung von Chloé Delarue im Kunsthaus Langenthal zu einem seltsamen, manchmal etwas unheimlichen Raumeindruck. Die junge Künstlerin entwirft ­einen Kosmos aus wuchernder, ja gleichsam untoter Technologie.

Chloé Delarue — Tafaa – New Rare Xpendable

Langenthal — Unser Bild künftiger Technologien ist clean, weiss oder mattschwarz. Tastaturen verschwinden, die Übertragung geschieht drahtlos, Kabel werden obsolet und das Bedienen wird bald von einer symbiotischen Verschmelzung abgelöst. Dagegen sind die Gebilde von Chloé Delarue (*1986) roh und legen technische «Eingeweide» frei. Ihre bisher grösste Einzelausstellung ‹Tafaa – New Rare Xpendable› im Kunsthaus Langenthal verteilt sich über das ganze erste Obergeschoss und wird zur Gesamtinstallation. Die Künstlerin kombiniert gesammelte Elemente, Neonröhren, Kabelbäume und -kanäle oder ausrangierte Bildschirme mit Latexabformungen von Objekten wie Autoreifen und von Oberflächen wie Luftpolsterfolien oder eines moosbedeckten Fabrikdachs. Ihre rätselhafte, organisch-technoide Umgebung birgt vereinzelt Hinweise auf Mensch und Tier, etwa die Hände der Künstlerin in einem Video, die an einem Bildschirm manipulieren, oder starre abgeformte Oktopusse auf einer Art Labortisch. Gewisse Abgüsse aus Naturkautschuk erinnern auch an eine zweite Haut, eine Mutation oder Verpuppung. Delarue sagt, sie interessiere sich dabei für Phänomene wie das des Doppelgängers, welches etwa im Capgras-Syndrom auftritt, wo die Erkrankten glauben, ihr Umfeld sei durch solche ersetzt worden. Die im Titel ‹Toward a Fully Automated Appearance (TAFAA)› angedeutete Verschmelzung von Technologie und Mensch gelingt bei Delarue nicht ohne Probleme – Objekte gleichen oft Experimenten oder obskuren Hybriden. Die Gesamtkonstruktion erhält ein unheimliches Eigenleben mit einem Kabelgewirr wie Nervensträngen, mit den aus der Wand austretenden Nebelschwaden und den abgeschälten Latexabgüssen in ihrer latenten Körperlichkeit. Die Kabelbäume wiegen sich vor den verbauten Lüftern und die Wärme, welche die integrierten Infrarotlampen abstrahlen, wird spürbar. Delarues Arbeiten scheinen teilweise im Zerfall begriffen und werfen Fragen nach Zeitlichkeit auf. Im getäferten ehemaligen Stadtschreiberbüro steht eine Art Druckmaschine mit einem Tierschädel – an Tinguely erinnernd –, auf deren breitem Latexband sich die Schriftzeichen der abgezogenen Zeitungen niedergeschlagen ­haben. Sie wirkt wie ein Monument für die sterbende Drucktechnologie im Informa­tionszeitalter und unterstreicht das Paradox, das in dieser vielschichtigen Ausstellung wiederholt zur Debatte steht: Haben wir es hier mit der Vision einer zukünftigen Vergangenheit oder gar schon mit einer vergangenen Zukunft zu tun? 

Bis 
07.04.2019
Künstler/innen
Chloé Delarue
Autor/innen
Adrian Dürrwang

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