Collection de l’Art Brut

Heinrich Anton Müller · o. T., zwischen 1925 und 1927, Farbstift auf Papier, 57,5 x 42,5 cm, Coll. de l’Art Brut, Lausanne. Foto: Claude Bornand

Heinrich Anton Müller · o. T., zwischen 1925 und 1927, Farbstift auf Papier, 57,5 x 42,5 cm, Coll. de l’Art Brut, Lausanne. Foto: Claude Bornand

Marie Matusz · Caravan, Ausstellungsansicht

Marie Matusz · Caravan, Ausstellungsansicht

Hinweis

Collection de l’Art Brut

Aarau — Derzeit ist ein verstärktes Interesse an Art Brut festzustellen. Sowohl im Kunstmuseum Thun wie auch im Aargauer Kunsthaus werden historische Schweizer Positionen vorgestellt. In Aarau macht die Tournee der Collection de l’Art Brut aus Lausanne, initiiert von deren Direktorin Sarah Lombardi, Station, und eine umfangreiche Auswahl von 200 Malereien, Zeichnungen und Assemblagen ist zu Gast. Diese berühmte Sammlung wurde vom französischen Künstler Jean Dubuffet, der auch den Namen für diese Kunstrichtung erfand, angelegt. Obwohl es Art Brut auch in anderen Ländern gibt, ist sie durch diese Geschichte eng mit der Schweiz verbunden. Dubuffet war einst auf der Suche nach intuitiven, markt-unabhängigen Kunstformen und entdeckte diese 1945 anlässlich einer Reise durch die Schweiz in Krankenhäusern, Gefängnissen und psychiatrischen Kliniken. 1971 schenkte er einen Grossteil seiner Sammlung der Stadt Lausanne, die 1976 die Collection de l’Art Brut eröffnete. Sie ist dort in einem Altbau in Räumen untergebracht, die sich über mehrere Etagen labyrinthisch erstrecken. Der ehemalige Konservator Michel Thévoz entwickelte das Präsentationskonzept in Referenz zur Gefühlswelt eines Art-Brut-Künstlers: In verdunkelten Räumen hängen die Werke auf schwarzen Wänden. Spotartig beleuchtet stechen die Farben förmlich ins Auge. Wem diese Steigerung der Kontraste als zu aufdringlich und klaustrophobisch erscheint, hat nun die Gelegenheit zur vergleichenden Betrachtung im Aargauer Kunsthaus. Hier sind die Werke im Untergeschoss so ausgestellt wie die der eigenen Sammlung: locker auf weissen Wänden und nach Themen und Kunstschaffenden gruppiert. Handschriften, Motivik und Ästhetik lassen sich vortrefflich studieren. Art Brut erfährt eine Gleichberechtigung. Und es stellt sich die Frage: Was weiss man von der Innewelt eines anderen? Sind nicht Art Brut Künstler/innen ebenso divers wie andere Kunstschaffende? Das Aargauer Kunsthaus nutzt das Gastspiel, um Grenzziehungen zwischen Kunstgattungen zu befragen. Dies geschieht anhand eines Raums zu Emma Kunz. Die Heilpraktikerin verstand das Zeichnen als Hilfsmittel, um Ener­gien sichtbar zu machen. Im Kontext der Sammlung wird ihr Werk in eine selbstverständliche Nachbarschaft zur Moderne gesetzt. Unbeabsichtigt, doch durch die Nähe der Art-Brut-Präsentation zur Caravan-Ausstellung mit junger Kunst lassen sich Fragen der Kanonisierung weiter vertiefen. Marie Matusz (*1994 Toulouse, lebt in Basel) präsentiert eine raumgreifende Installation mit an gotische Wasserspeier angelehnte Figuren aus Beton. Groteske Ausdruckssteigerung findet sich auch bei vielen Formulierungen der Art Brut. 

Bis 
28.04.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Collection de l'Art Brut 26.01.201928.04.2019 Ausstellung Aarau
Schweiz
CH
Autor/innen
Andrea Domesle
Künstler/innen
Emma Kunz
Marie Matusz

Werbung