Of Color — Nachts sind alle Elefanten grau

Lynne Kouassi · Orientierung, 2019; George Steven · I’m Coming But I May Not Use The Front Door, 2019 / Outside Of All This, 2019, Ausstellungsansicht Helmhaus Zürich. Foto: Zoe Tempest

Lynne Kouassi · Orientierung, 2019; George Steven · I’m Coming But I May Not Use The Front Door, 2019 / Outside Of All This, 2019, Ausstellungsansicht Helmhaus Zürich. Foto: Zoe Tempest

Leila Peacock · It Was, And It Was Not So …, 2019; Lynne Kouassi · Gastgeschenk fürs Kloster Dornach, 2019; Jeanine Osborne, Victory, 2005/2006, Ausstellungsansicht Helmhaus Zürich. Foto: Zoe Tempest

Leila Peacock · It Was, And It Was Not So …, 2019; Lynne Kouassi · Gastgeschenk fürs Kloster Dornach, 2019; Jeanine Osborne, Victory, 2005/2006, Ausstellungsansicht Helmhaus Zürich. Foto: Zoe Tempest

Besprechung

Bereits der Titel umreisst die Bandbreite der Ausstellung: ‹of Color› kann kurz und allgemein als ‹über Farbe› gelesen werden, spielt aber zugleich auf den Begriff People of Color an und eröffnet so ein Spektrum zwischen wahrnehmungstheoretischer und gesellschaftskritischer Befragung von Farbe.

Of Color — Nachts sind alle Elefanten grau

Zürich — Wären da nicht die Fenster mit Blick auf die Limmat, das Helmhaus wäre der White Cube schlechthin. Selbst der Boden ist seit einer Ausstellung von 2004 in gnadenlosem Weiss gehalten. Lynne Kouassi schlug für die letztjährige Stipendienausstellung vor, diesen zu übermalen. Was vorerst nicht realisierbar war, stiess die von Daniel Morgenthaler und Bassma El Adisey kuratierte Gruppenausstellung mit rund zwölf Positionen an. So radikal Kouassis Konzept, so dezent der Eingriff: Der Boden im ersten Stock ist in einem zarten Fliederton gestrichen; eine Farbe, die gemäss der Künstlerin – sie bezeichnet sich in ihrem ‹Quick Guide. Wertschätzende Umgangsformen› als «junge, braune, weibliche Künstler (sic)» – zwischen der Dualität von Rosa und Hellblau angesiedelt ist. Ihre Geste verändert die Raumwahrnehmung subtil und setzt einen Akzent innerhalb der meist unbunten Arbeiten im ersten Stock. Das kuratorische Konzept unterläuft mit diesem «Farbentzug» erst einmal die Erwartungen, die der Ausstellungstitel setzt. Die in Indien entstandene Fotoserie eines grau bemalten Elefanten und seines Besitzers von Niklaus Rüegg entlarvt unsere stereotypen Vorstellungen vom grauen Dickhäuter und wie einfach sich Wahrnehmung täuschen lässt. Überhaupt, Gegensätze und vermeintlich Faktisches zu unterwandern, ist einer der roten Fäden im Helmhaus. Andere sind die gesellschaftliche Prägung von Schwarz und Weiss und die damit einhergehenden Diskriminierungen und Rassismen, wie sie auch People of Color als politische Selbstbezeichnung von nichtweissen Menschen thematisiert. Im oberen Stock lässt Leila Peacock ebenso theoriegeprägt wie humorvoll allerlei Tiere und Figuren in Witzen und Redewendungen auf Wandtafeln zu Wort kommen. ‹It Was, And It Was Not So …› geht Fragen nach der (Farb-)Wahrheit in zwei Leserichtungen nach, einmal dem Konzept des ‹Color ­Realism› und das andere Mal des ‹Color Fictionalism› folgend. ‹of Color› setzt den Ansatz von Öffnung und Teilhabe des Helmhauses fort und ist dort stark, wo Konventionen – der Ausstellungsraum, Wahrnehmungs- oder Denkmuster – aufgebrochen werden, oder wie es der Titel einer Arbeit von George Steven formuliert: ‹I’m Coming But I May Not Use The Front Door›. Anderswo besteht Spielraum, mehr Farbe zu bekennen, so etwa am Schluss im zweiten Stock, wo Niklaus Rüeggs Arrangement aus zersägten älteren Werken etwas der Biss fehlt. Das Begleitprogramm mit Workshops von Bla*Sh oder der Ausgabe ‹off-color› des Magazins ‹Lack› verspricht allerdings Stoff in diese Richtung zu liefern. 

Bis 
07.04.2019
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Helmhaus Schweiz Zürich
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
of Color 15.02.201907.04.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Anna Francke
Künstler/innen
Lynne Kouassi
Leila Peacock

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