Glanzlichter

Karl Stauffer (1857–1891) · Bildnis von Lydia Welti-Escher, 1886. Öl auf Leinwand. Gottfried Keller-Stiftung / Kunsthaus Zürich

Karl Stauffer (1857–1891) · Bildnis von Lydia Welti-Escher, 1886. Öl auf Leinwand. Gottfried Keller-Stiftung / Kunsthaus Zürich

Graduale des Dominikanerinnenklosters St. Katharinental, um 1312, Handschrift auf Pergament, Eigentum Gottfried Keller-Stiftung / Schweiz. Nationalmuseum / Kanton Thurgau

Graduale des Dominikanerinnenklosters St. Katharinental, um 1312, Handschrift auf Pergament, Eigentum Gottfried Keller-Stiftung / Schweiz. Nationalmuseum / Kanton Thurgau

Hinweis

Glanzlichter

Zürich — Vom vielen Geld ist nicht mehr viel übrig, doch es gibt sie noch, die Stiftung, die den Namen eines berühmten Mannes trägt, aber gegründet wurde von einer Frau, die selbst unvergessen bleibt: Lydia Welti-Escher (1858–1891). Im Jahr, da man den 200. Geburtstag des Dichters Gottfried Keller und seines Freundes, des Staatsmannes und Eisenbahnpioniers Alfred Escher, feiert, tritt auch die Gottfried Keller-Stiftung an die Öffentlichkeit und präsentiert Meisterwerke ihrer Sammlung. Deren Schönheit und Qualität lässt vergessen, wie schlecht das Stiftungsvermögen über lange Jahre verwaltet wurde, und vor allem: wie viel Dunkel über dem Leben der Stifterin stand, die sich in den Maler Karl Stauffer-Bern verliebte und sich schliesslich von ihrem Mann, dem Bundesratssohn Friedrich Emil Welti, scheiden liess. Das Unglück, das über den Maler und eine der reichsten Frauen der Schweiz hereinbrach, bewirkte, dass die beiden, inzwischen getrennt, ihrem Leben ein Ende setzten – er im Januar, sie im Dezember 1891. Eschers einzige Tochter starb im Alter von 33 Jahren und fünf Monaten. Natürlich fehlt unter den ‹Glanzlichtern›, die nun gezeigt werden, nicht das grossartige Weiss-in-Weiss-Bildnis dieser im Grunde emanzipierten Frau, mit dem ihr Stauffer ein Denkmal gesetzt hat; auch nicht das Porträt von Gottfried Keller aus demselben Jahr 1886. Gemälde aber machen den kleineren Teil der Ausstellung aus. Sie stellt in zwei hervorragend bestückten und attraktiv inszenierten Räumen zum einen Kunst im engeren Sinne vor – von Urs Leus Madonnenbild über Angelika Kauffmanns Selbstbildnis bis zur Giacometti-Büste oder einem Spätwerk Meret Oppenheims; auch das erste ungegenständliche Werk (Gustave Buchets ‹Disque noir›, 1925), das die Stiftung spät, 1966, erwarb, findet sich darunter. Freilich hatte die Stiftung mit ihren aktuell gut 6500 Werken, die in rund siebzig Museen und anderen Institutionen aufbewahrt werden, nicht die Aufgabe, zeitgenössisch zu sammeln, dafür wie von der Stifterin gewünscht über Rösti- und andere Gräben hinweg. Zum andern – und da vergisst man die tragischen Geschichten ganz – sind herausragende kunsthandwerkliche Arbeiten zu sehen, darunter Rückkäufe wie das Graduale aus dem einstigen Frauenkloster St. Katharinental. Und wer könnte sich nicht für die leuchtenden Glasmalereien aus dem Zwingli-Jahr 1519 oder den silbernen Christophorus und das fahrende Trinkspiel mit Ritter Georg und dem Drachen begeistern?

Bis 
22.04.2019
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Indiennes 30.08.201919.01.2020 Ausstellung Zürich
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