Glas im Dialog

Daniel Karrer · ohne Titel, 2017, Öl, Hinterglasmalerei, 67,5 x 82,5 cm, Courtesy Herrmann Germann

Daniel Karrer · ohne Titel, 2017, Öl, Hinterglasmalerei, 67,5 x 82,5 cm, Courtesy Herrmann Germann

Anne-Chantal Pitteloud · Niveaux 06, 2016, Tusche hinter Glas

Anne-Chantal Pitteloud · Niveaux 06, 2016, Tusche hinter Glas

Hinweis

Glas im Dialog

Romont — Es wirkt ein wenig so, als ob hier die Zeit stehengeblieben wäre – besonders, wenn man das Vitromusée an einem winterlichen Sonntagnachmittag besucht. Stille liegt über dem verschneiten Innenhof des mittelalterlichen Schlosses, in dem das Museum für Glaskunst mit der schweizweit umfassendsten Sammlung zum Thema untergebracht ist. Die hauseigene Werkstatt steht verlassen, einmal monatlich wird hier das Handwerk der Glasmalerei vorgeführt. In den verwinkelten Sälen der Dauerausstellung zeugt eine Vielzahl von Exponaten aus dem sakralen und dem profanen Bereich von der Geschichte der Glas- und Hinterglasmalerei seit dem Mittelalter. Auch die Förderung zeitgenössischer Glaskunst ist dem Museum ein Anliegen – es werden Ankäufe getätigt und Wechselausstellungen organisiert. Aktuell sind unter dem Titel ‹Glas im Dialog› drei Positionen zu sehen, die das zerbrechliche Material ganz unterschiedlich nutzen: Da sind zunächst die scheinbar aufs Glas gehauchten Gebilde der Walliserin Anne-Chantal Pitteloud (*1970). Die zellähnlichen Strukturen sind Resultat eines nur bedingt kontrollierten Trocknungsprozesses von Tusche auf dem transparenten Grund. Der Basler Daniel Karrer (*1983) betreibt «klassische» Hinterglasmalerei, wobei er zur Bildfindung oft Photoshop miteinbezieht und entrückt anmutende, surreale Gemälde schafft, an deren geheimnisvoller Motivik und Touch-Screen-ähnlicher Erscheinung sich die Faszination für diese komplexe Technik entfacht. Eine Entdeckung sind auch die Arbeiten des Aargauers Lorenz Olivier Schmid (*1982), bei denen Glas Mittel zum Zweck ist, um Spuren der Zeit einzufangen oder poetische Geschichten von Licht und Dunkel zu erzählen, die erst im Schatten eines Guckrohrs als fluoreszierende Textzeilen unter gläsernen Scheiben hervorleuchten. So ganz stillgestanden ist die Zeit demnach doch nicht. Kunst mit Glas hat sich bis in die Gegenwart weiterentwickelt, wo sie – frei vom Kitschverdacht, der dem Medium zuweilen anhaften mag – ihre verführerischen Qualitäten entfaltet.

Bis 
14.04.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Glas im Dialog 09.12.201814.04.2019 Ausstellung Romont
Schweiz
CH

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