Helen Dahm — Spirituelle Naturdarstellungen und Figurenbilder

Helen Dahm · Selbstporträt als Malerin, 1927, Öl auf Leinwand, 73 x 64 cm, Kunstmuseum Thurgau

Helen Dahm · Selbstporträt als Malerin, 1927, Öl auf Leinwand, 73 x 64 cm, Kunstmuseum Thurgau

Besprechung

Zum fünfzigsten Todesjahr der Künstlerin stellen das Kunst­museum Thurgau und das Helen Dahm Museum in Oetwil am See die Entwicklung der Grenzgängerin der Schweizer Moderne von den frühen Radierungen und mystischen Blumenbildern bis zur gestalterischen Auflösung der Motive in den Mittelpunkt.

Helen Dahm — Spirituelle Naturdarstellungen und Figurenbilder

Warth/Oetwil am See — Bereits in den Fünfzigerjahren hatte das Kunstmuseum Thurgau begonnen, das Werk der aus Kreuzlingen stammenden Künstlerin zu sammeln. Für die aktuelle Ausstellung konnte es deshalb aus dem Vollen schöpfen. So sind in der Kartause Ittingen neben den bekannten Ölbildern auch zahlreiche Radierungen und Linolschnitte, kaum bekannte filigrane Skizzen aus Helen Dahms (1878–1968) Aufenthalt im Frauenashram in Indien und sogar kunstgewerbliche Arbeiten wie Tapetenstoffe oder bemalte Teller zu sehen. In Oetwil am See, dem langjährigen Wohnort der Künstlerin, werden Hinterglasmalereien, biografische Dokumente und vor allem berührende Selbstbildnisse in unterschiedlichsten Techniken gezeigt. Beginnend mit frühen Landschaftszeichnungen aus dem Bodenseeraum führt die Werkpräsentation entlang einer biografischen Linie zu den Themenschwerpunkten in Dahms Schaffen. In melancholische Düsternis getauchte, am Vorbild Böcklins orien­tierte Darstellungen lassen bereits das Erhabene, das Göttliche aufscheinen, das im gesamten späteren Werk wichtig ist. Ab 1906 finden wir die Künstlerin gemeinsam mit ihrer Freundin Else Strantz in München, wo sie die Hinterglasmalerei von Wassily Kandinsky und Gabriele Münter kennenlernt. Zurück in Zürich, entstehen von Symbolismus und Jugendstil geprägte Bilder, wie etwa das noch nie gezeigte Bild ‹Jesus der Kinderfreund› von 1916. Ein Jahr später tritt Helen Dahm dem Schweizer Werkbund bei und gestaltet zahlreiche Darstellungen von tanzenden Frauenfiguren. Ein Bauernhaus in Oetwil am See, im Zürcher Oberland, wird zum neuen Lebensmittelpunkt. Hier ­widmet sich die Künstlerin expressionistischen Landschaftsdarstellungen, Blumen, Tieren und Stillleben. Eine Sinnkrise führt die Sechzigjährige nach Indien in den Frauenashram von Meher Baba. Engel und Lichtgestalten bevölkern jetzt ihren künstlerischen Kosmos. Sie experimentiert mit Ölabklatsch- und Hinterglasmalerei. 1954 erhält Dahm als erste Frau den Kunstpreis der Stadt Zürich und wird neun Jahre später im dortigen Kunsthaus mit einer Retrospektive geehrt. Gegen Ende ihres Lebens erprobt sie sich gar in Action Painting, etwa in ‹Kreisende Meteore›, 1957. Collage- und Ausspartechniken ergänzen nun die Ölmalerei. Neben diesen tachistischen Bildexperimenten entstehen weiterhin Blumen- und Figurenbilder, darunter zahlreiche Selbstporträts, besonders eindrücklich in der Gesellschaft von lebensgrossen Puppen. 

→ ‹Helen Dahm – Ein Kuss der ganzen Welt›, Kartause Ittingen, bis 25.8.2019 ↗ www.kunstmuseum.ch
→ ‹Ich – Selbst – Helen Dahm›, Helen Dahm Museum, Oetwil am See, bis 3.11.2019 ↗ www.helen-dahm.ch

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
ICH - SELBST - HELEN DAHM 06.04.201903.11.2019 Ausstellung Oetwil am See
Schweiz
CH
Helen Dahm - Ein Kuss der ganzen Welt 02.09.201825.08.2019 Ausstellung Warth
Schweiz
CH
Künstler/innen
Helen Dahm
Autor/innen
Suzanne Kappeler

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