Lauren Huret

Lauren Huret · Praying for my Haters, 2019, Ausstellungsansicht CCSP. Foto: Margot Montigny

Lauren Huret · Praying for my Haters, 2019, Ausstellungsansicht CCSP. Foto: Margot Montigny

Lauren Huret · Praying for my Haters, 2019, Ausstellungsansicht CCSP. Foto: Margot Montigny

Lauren Huret · Praying for my Haters, 2019, Ausstellungsansicht CCSP. Foto: Margot Montigny

Hinweis

Lauren Huret

Paris — Jean-Marc Diébold, seit Oktober 2018 Direktor am Centre culturel suisse, signalisiert, zusammen mit Claire Hoffmann, der verantwortlichen Leiterin für bildende Kunst, Zielgerichtetheit: Das neue Logo des Hauses bildet aus dem leeren Raum zwischen vier Pfeilen ein Schweizerkreuz. Das Programm startet mit kritischen künstlerischen Positionen wie der in Genf lebenden Lauren Huret (*1984, Paris). In ihrer Schau ‹Praying for my Haters› sucht sie den blinden Fleck des Internets. Scheinbar grenzenlos allen zugänglich, wird dessen Content – von den meisten unbemerkt – moderiert. Nicht von Algorithmen, wie es der magische Schleier technologisierter «Industrie 4.0» suggeriert. Nein, das geradezu himmlische Versprechen digitaler Immaterialität lebt von irdischen Ressourcen und deren Ausbeutung. Nicht Roboter sortieren die unaushaltbaren Bilder von Gewalt, Sex, Grauen. Diese «verfluchten Bilder, Kehrseite unserer Schrecken und Täuschungen», so Huret, werden von Menschen unter sklavenähnlich Bedingungen in Schwellenländern aus dem Web gefischt. Nicht alle, denn Schreckbilder bringen Klicks. «Heteromatisierung» ermöglicht den heiligen Traum vom Konsum ohne Reue, vom Kapitalismus ohne Schuld: die Mischung von automatisierter und menschlicher Arbeit. Huret, die sich allgemein mit blinden Flecken befasst, deren Unsichtbarkeit das Sichtbare ermöglicht, wollte wissen, wer diese Menschen sind, zeigen, wie das Sehvermögen des Proletariats 4.0 geschunden wird. Was sie nun in Paris zeigt, frustriert: keine zerfurchten Gesichter, kein zahnloses Lächeln, keine eingefallenen Augen, wie sie noch William Klein fotografisch festhielt – und romantisierte. Die Kontakte der Künstlerin zu den «mechanical turks» – wie die anonymen Angestellten ohne soziale Sicherheiten genannt werden – lösten sich in Luft auf, als sie vor Ort eintraf. Auch wollte sie nicht derselben Logik der Aufmerksamkeitsvermarktung verfallen, erneut Schockbilder zeigen. Hurets Lösungen mögen nicht immer überzeugen, wenn sie ästhetisch entrücken, was doch Nähe verlangt, um ihm begegnen zu können. Doch ihre Objekte sind anschaulich-berührend, lassen wie die Kette mit Mini-Laptop-Anhänger an kitschiger Heiligenfigur fast benjaminesk aufblitzen, was das Zeitbild als Konsequenz industriellen Fortschritts zu verdecken sucht. Nicht zufällig gibt es hier eine grosse Nähe zu den unsichtbar wirkenden Mächten der Religionen. Nicht zufällig erinnert das treppenreiche Souterrain unter Hurets postmodernen Architektur­modellen transparenter Gebäude an Piranesis finstere ‹Carceri›. Ihre Kunst 4.0 rekonstruiert düstere Keller visueller Unbewusstheit, die das Weltbild bestimmen. 

Bis 
28.04.2019

→ Centre culturel suisse Paris, bis 28.4. Publikation f/e, 56 Seiten, farbige Abb.
www.ccsparis.com

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Lauren Huret 03.02.201928.04.2019 Ausstellung Paris
Frankreich
FR
Künstler/innen
Lauren Huret
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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