Martine Franck

Martine Franck · Eames Family, Fishermen, Amagansett, United States, Juli 1983, Silber­gelatineabzug, 30,3 x 45,75 cm, Fondation Henri Cartier-Bresson, Paris © Magnum Photo

Martine Franck · Eames Family, Fishermen, Amagansett, United States, Juli 1983, Silber­gelatineabzug, 30,3 x 45,75 cm, Fondation Henri Cartier-Bresson, Paris © Magnum Photo

Martine Franck · Byker district, Newcastle upon Tyne, UK, 1977, Silbergelatineabzug, 23,7 x 35,7 cm, Fondation Henri Cartier-Bres­son, Paris © Magnum Photos

Martine Franck · Byker district, Newcastle upon Tyne, UK, 1977, Silbergelatineabzug, 23,7 x 35,7 cm, Fondation Henri Cartier-Bres­son, Paris © Magnum Photos

Hinweis

Martine Franck

Lausanne — Durch glückliche Umstände zur Fotografie gelangt – eigentlich wollte sie Museumsfrau werden – ist Martine Franck hierzulande trotz vieler Publikationen und ihrer Rolle bei den Agenturen Vu, Viva und Magnum eine bekannte Unbekannte ihres Fachs. Nun ist ihr Werk samt seinen Schweizer Bezügen retro­spektiv neu zu entdecken. 1963 bricht Martine Franck (1938–2012) zu einer sechsmonatigen Fernostreise auf. Mit Folgen, denn damals weckt Ariane Mnouchkine (*1939), ihre Reisegefährtin und nachmalige Gründerin des Théâtre du Soleil, in ihr das Fotografinnen-Gen. Zurück in Europa betreut Franck bei ‹Time-Life› in Paris die dort ein und aus gehenden Fotografen, bevor sie 1965 selber Bildstrecken beizutragen beginnt und bald schon – ermutigt von Henri Cartier-Bresson (1908–1904), den sie 1966 kennenlernt und 1970 heiratet – weitere renommierte Blätter wie die ‹New York Times› beliefert sowie eigene Bücher publiziert. Immer steht der Mensch dabei im Zentrum, und immer spricht aus ihren Porträts Empathie. Ob Streikende in Frankreichs Automobilindustrie oder Beteiligte einer Kundgebung für (oder wider) die Rechte der Frau: Martine Francks fotografische Haltung ist engagiert und oft jenen verpflichtet, deren Stimmen unerwünscht sind oder als unwichtig abgetan werden und ungehört verhallen. Von Franck noch persönlich angedacht und gegliedert, wurde die Ausstellung schliesslich posthum zur Eröffnungsschau der Fondation Henri Cartier-Bresson, die im letzten Herbst neue Räume im Pariser Marais bezogen hat. Die Retrospektive folgt einer Chronologie, ohne Beitrag an Beitrag zu reihen. Dies gelingt, indem die Timeline von einer groben geografischen Ordnung überblendet wird, die ihrerseits  inhaltliche Querbezüge offenlegt. So sind Anfang und Ende durch Künstlerporträts und die Reisen nach Asien verklammert, die beide indes erst im Dachgeschoss mit dem Spätwerk so richtig viel Raum erhalten. Im Erdgeschoss sind dagegen vorwiegend Werke aus den Siebziger- bis Neunzigerjahren gruppiert wie bspw. die lebensprallen, sozial aber dennoch brüchigen Arbeiten zur Feriengestaltung der Franzosen. Ihnen sind einige enorm berührende Porträts der Serie ‹Le temps de vieillir› gegenübergestellt. Franck hat sie in Alters- und Pflegeheimen rund um Paris realisiert und aus jedem von ihnen spricht die Ahnung von der Angst der alten Menschen, sich selbst zu verlieren. Auf eine Bildauswahl aus den USA wiederum – Martine Franck wuchs in Long Island, New York, Arizona und London auf – antworten Aufnahmen aus England und Irland. Aus dem Leben gegriffen, verraten sie viel über die Menschen und ihre prekäre Existenz, ohne sogleich zu Milieustudien zu werden. Genau hier liegt denn auch die grösste Kraft von Francks Werk: im Verständnis der Fotografie als respektvolles Mittel, ihr Gegenüber und sich selbst zu verstehen. 

Bis 
05.05.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Martine Franck, Vasantha Yogananthan 20.02.201905.05.2019 Ausstellung Lausanne
Schweiz
CH
Künstler/innen
Martine Franck
Autor/innen
Astrid Näff

Werbung