Michal Rovner — Evolution

Michal Rovner · Mechanism 2018, Videoprojektion, Pace Gallery Genf © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Michal Rovner · Mechanism 2018, Videoprojektion, Pace Gallery Genf © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Michal Rovner · Mechanism 2018, Videoprojektion (m); Waving, 2018, Archival Pigment Print, 180 x 98,4 cm (l); Cipher 2, 2018, Archival Pigment Print, 180 x 98,4 cm (r), Ausstellungsansicht Pace Gallery Genf © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Michal Rovner · Mechanism 2018, Videoprojektion (m); Waving, 2018, Archival Pigment Print, 180 x 98,4 cm (l); Cipher 2, 2018, Archival Pigment Print, 180 x 98,4 cm (r), Ausstellungsansicht Pace Gallery Genf © ProLitteris. Foto: Annik Wetter

Besprechung

In der Pace Gallery und im Espace Muraille sind zwei Ausstellungen der in Israel lebenden Michal Rovner zu sehen. Die Künstlerin zeigt grossformatige Videoinstallationen, die das globale Zeichensystem befragen, das der Mensch heute für die Interpretation von Welt produziert.

Michal Rovner — Evolution

Genf — Linien: Sie durchziehen die Videobilder, horizontal, bilden Streifen. Linien: diagonal, sie kreuzen sich. Sie zittern leicht, und wenn man näher an die Videoprojektionen herangeht, erkennt man, dass sie aus unzähligen kleinen Menschen ­zusammengesetzt sind. Die Menschen laufen, sie drehen sich, sie schauen, sie fotografieren. Sie durchqueren fast wie Ameisen eine wüstenartige gefilmte Landschaft, deren Massstab die Grösse der menschlichen Figur auf einen Fingernagel zusammenschrumpfen lässt. Die Künstlerin Michal Rovner (*1957, Israel) baut wandfüllende Videobilder – querformatige Projektionen, hochformatige, aus Screens zusammengesetzte Installationen –, in denen die Kolonnen von Menschen Bildgründe aus felsigen Landschaften überziehen. Schon seit jeher hat Michal Rovner ihre Videoarbeiten – erstmals 2002 in ihrer Retrospektive im Whitney Museum of American Art gezeigt – als eine Art abstraktes Tool bei der Verwendung des bewegten Bildes verstanden. Endlose Wanderungen werden evoziert, Migrationen von da nach dort. Episoden aus dem Alten Testament kommen einem in den Sinn. In der Tat ist die in New York lebende Michal Rovner immer wieder in ihrer Heimat im Nahen Osten für ihre Arbeiten unterwegs. Das Thema der dauernden Bewegung ist eine Konstante ihrer Arbeiten. Video ist nicht als erzählendes Medium eingesetzt, sondern dient der Bildung von strukturell übereinander gelagerten Rastern. Sie schafft Video-Installationen, die eine zeitlose Realität aufrufen. Die menschlichen Figuren haben die Konturen verloren, bis zu dem Punkt, an dem sie als Menschen fast nicht mehr zu identifizieren sind. Die kleinen zitternden Striche verschwinden in einer Geländefalte oder hinter einer Zypresse. Die Figuren ruckeln eng aneinandergerückt, aber haben nichts miteinander zu tun. Michal Rovner produziert mit diesen Menschenzeilen eine evokative Sprache und schafft so eine Erzählung voller Fragen mit universellem Anspruch: Was bedeuten diese elektronischen Signale, die unseren Globus überziehen? Datenströme, Gehirnsynapsen, Proteine einer DNA? Am Ende bleibt nur die Bewegung von Elementen als Signifikant, ohne übergeordnete Bedeutung zurück. Und – ein Bestreben, gesehen zu werden, zu funkeln, zu blitzen, hervorzustechen, als ob die künftige Darstellung des Menschen und seiner Kommunikation nur das Bewusstsein einer Signalisierung sei. Hier! Da! Alarm! 

Bis 
18.04.2019
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Espace Muraille Schweiz Genève
Pace Gallery Geneva Schweiz Genève
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Michal Rovner 26.02.201904.05.2019 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Michal Rovner 30.01.201918.04.2019 Ausstellung Genève
Schweiz
CH
Autor/innen
Sibylle Omlin
Künstler/innen
Michal Rovner

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