Monika Dillier — Aneignung im Aquarell

Monika Dillier · Grand Central, Mannahatta, 2019, Aquarell auf Papier, 75,2 x 57,4 cm

Monika Dillier · Grand Central, Mannahatta, 2019, Aquarell auf Papier, 75,2 x 57,4 cm

Besprechung

Wählerisch, grosszügig und mit einer radikalen Unersättlichkeit fällt Monika Dilliers Blick in die Welt. Wobei das Zeichnen ihr Mittel bleibt, um mit der Fülle umzugehen. Im Farbverlauf des Aquarells nimmt die Künstlerin auf, was ihr die Destinationen zahlreicher Reisen zuführen.

Monika Dillier — Aneignung im Aquarell

Basel — ‹Zusammen bringen was nicht zusammen gehört› umschreibt im Titel das Verfahren, dem sich Monika Dillier (*1947) in ihrem weiten Fundus an gesammelten, gezeichneten oder fotografierten Motiven aktiv ordnend stellt. Etliche Zeichnungen seien lange unvollendet geblieben, bevor sie in einer Ansicht aus ganz anderem zeitlichem oder geografischem Horizont ihren Ort gefunden haben. So trifft ein brauner Affe – gesehen im Wandbild der U-Bahn-Station beim Naturhistorischen Museum in New York – auf einen Artgenossen, den es schon früher gab und der jetzt als heller Schatten hinter ihm erscheint. Solches Kombinieren setzt voraus, dass Dillier intakte Blätter aufgibt. Sie fragmentiert, isoliert, collagiert. Sie führt Erinnerungen aneinander, unterlegt gezeichnete Pflanzen mit einer Landschaft Griechenlands oder sucht kokett den Schulterschluss: In ‹Collaboration mit Jazmin Saidman› ist ihre eigenes, schraffiertes Dunkelblau das Echo auf das Blatt einer Freundin aus Buenos Aires. Überhaupt macht dieses Werk nicht den Anschein des Alleingangs: Zu weit holen Reisebewegungen ins Licht des Südens aus, zu deutlich sieht sich Dilliers subjektive Aneignung von Welt auch im Spiegel von Grössen und Orten des Films. Screenings mit Werken von Jonas Mekas waren Anstoss zu lichten Architekturansichten in Athen. ‹Ich konnte nirgendwo hingehen› zitiert als Titel einer Collage den einst heimatlosen Experimentalfilmer. Das Auge setzt sich über Landes- und Sprachgrenzen hinweg und macht nur Halt, wenn Dillier den Augapfel fünffach und vergrössert aufreiht für die bodennahe Installation ‹Grand Central, Mannahatta›. Das zeichnerisch Flüssige versammelt sich hier mit Objekten in erhärtetem Glas zu einem schlichten Hausaltar. Dass die Galerie Stampa zeitgleich ins hauseigene Video-Archiv einlädt (→ S. 59), ist für Dillier eine glückliche Fügung: Es gab die Zeit, wo sie sich selbst dieses Medium aneignete. Sie nahm an Workshops teil mit Ulrike Rosenbach und war dabei, als die Galerie das interessierte Publikum mit Vito Acconci, Joan Jonas, Bruce Nauman oder Lawrence Weiner vertraut machte. Dillier zeichnete Abspielgeräte und bleibt begeistert von der dreidimensionalen Widerspenstigkeit der Kastenmonitore und ihrem Flimmern aus der frühen Bildschirmkultur. Wo die Welt in Bewegung geriet, wo der Fernseher ins Private Einzug hielt und das scheinbar Beiläufige zum künstlerischen Gegenentwurf aufrief – dort hat sich ihre Neugierde entzündet. 

Bis 
06.04.2019
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STAMPA Schweiz Basel
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MONIKA DILLIER - Zusammen bringen was nicht zusammen gehört 19.02.201906.04.2019 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Monika Dillier
Autor/innen
Isabel Zürcher

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