Producing Futures — Eindeutig uneindeutig

Juliana Huxtable · ohne Titel, 2019, Courtesy the artist and Project Native Informant, London; Guan Xiao · Enjoyable Relationship, 2017, Privatsammlung; Ausstellungsansicht Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Lorenzo Pusterla

Juliana Huxtable · ohne Titel, 2019, Courtesy the artist and Project Native Informant, London; Guan Xiao · Enjoyable Relationship, 2017, Privatsammlung; Ausstellungsansicht Migros Museum für Gegenwartskunst. Foto: Lorenzo Pusterla

Mary Maggic · Housewives Making Drugs, 2017, Videostill. Courtesy the artist

Mary Maggic · Housewives Making Drugs, 2017, Videostill. Courtesy the artist

Besprechung

Männlich, weiblich, heterosexuell, homosexuell. Diese Dicho­tomien erleichtern uns den Alltag – schwarz oder weiss eben. Doch geht es nicht auch anders? Dieser Frage stellt sich das ­Migros Museum mit der Schau ‹Producing Futures› und untersucht, wie die digitalen Medien unser binäres Denken verändern.

Producing Futures — Eindeutig uneindeutig

Zürich — Unser Verständnis von Identität, Geschlecht und Schönheit wird durch gesellschaftliche Normen definiert. Die Bewegung des Cyberfeminismus der Neunzigerjahre begriff das World Wide Web als Ort der Selbstermächtigung, in dem geschlechterspezifische Identitäten abgelegt werden können. Ein Beispiel dafür ist das Video ‹i.Mirror›, worin Cao Fei ihren Avatar durch die virtuelle Realität des Online-Games Second Life begleitet. Indem die Identität des Avatars frei gewählt und beliebig verändert werden kann, bietet die Plattform einen Raum für jene Freiheiten, die uns im realen Leben möglicherweise verwehrt bleiben. Im Cyberspace können heteronormative Rollen nicht nur abgestreift, sondern auch verstärkt werden. Dies nicht zuletzt durch frauenfeindliche Gruppen, wie die der Incels (involuntary celibates), oder durch Werbung, die entsprechende Produkte und Kosmetika anbietet. Diesen Drang zur Selbstoptimierung greift Shana Moulton in ihrem Video ‹My Personal Measurements› auf. Darin hat sie ihr Gesicht auf den Körper der kolumbianischen Sängerin Shakira retuschiert, die in einem Werbespot die Vorzüge eines verdauungsfördernden Joghurts präsentiert – mit eingängigem Jingle, flachem Bauch und sexy Hüftschwung. An dieses medial propagierte Bild von Weiblichkeit knüpft auch Anna Uddenberg mit ihren puppenähnlichen Figuren an. Die Gesichter werden von langen, blonden Haaren verdeckt, während die Geschlechtsteile mit grotesk verrenkten Positionen zur Schau gestellt werden. So präsentiert die Ausstellung ‹Producing Futures› verschiedene Überlegungen des sogenannten Post-Cyber-Feminismus: Wie können die neuen Medien heute genutzt werden, um diskriminierende Geschlechternormen zu überwinden? An diese Frage knüpft das Video ‹Housewives Making Drugs› von Mary Maggic an, das zeigt, wie Östrogen zu Hause hergestellt werden kann. Die Amerikanerin nutzt so die Vorzüge der viralen Verbreitung, um den Menschen die Entscheidungsfreiheit über ­ihren Körper zu geben. Ähnlich wie Mary Maggic plädieren auch andere für eine fluide, non-binäre Identität, die nicht nur in Online-Games und dergleichen ausgelebt werden soll, sondern auch im Alltag. Schliesslich sei unser Verhalten in der virtuellen Realität, so Cao Fei, unlängst zum Spiegelbild unser selbst geworden: «It’s perhaps no longer important to draw the line between the virtual and the real, as the border between the two has been blurred. In the virtual land, we are not what we originally are, and yet we remain unchanged.» 

Bis 
12.05.2019

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