Rebecca Kunz — Räumliche Erzählungen

Rebecca Kunz · Installationsansicht Kunsthaus Baselland, 2019. Foto: Michael Blaser

Rebecca Kunz · Installationsansicht Kunsthaus Baselland, 2019. Foto: Michael Blaser

Besprechung

Rebecca Kunz’ Material sind Räume und deren Charakter. Sie greift in bestehende Raumstrukturen ein oder schafft gänzlich neue. So auch für ihre erste grössere institutionelle Präsentation im Kunsthaus Baselland, wo sie dazu auffordert, Ort und Raum neu zu denken.

Rebecca Kunz — Räumliche Erzählungen

Basel/Muttenz — Aus den Videowelten der parallel stattfindenden und ebenfalls sehr sehenswerten Einzelausstellungen von Clément Cogitore und Anna Winteler (→ S. 78/79) treten wir über in Rebecca Kunz’ labyrinthisches Raumgefüge. Ausgehend von der vorhandenen Architektur und diese zugleich verneinend, hat die Künstlerin Wände in die Kabinetträume eingezogen, Türen eingesetzt, Licht und Boden manipuliert. Alle Bezüge zum Aussen, zur Stadt, aber auch zum Kunsthaus selbst, sind eliminiert, weggesperrt hinter den vielen Türen, die den Rhythmus der Installation vorgeben. An ihre Stelle tritt eine räumliche Erzählung, physisch erfahrbar zwar, aber zugleich fiktional und in ihrer realitätsübersteigernden Art irgendwie filmisch. Dabei tragen weder Ausstellung noch Installation einen Titel. Ein Titel sage zu viel, meint die Künstlerin. Er ist verräterisch und lenkt die Gedanken. Der Raumerfahrung sollen sich die Besucher/innen möglichst unvoreingenommen hingeben. Eine ziemlich gewöhnliche Fussmatte liegt vor der Treppe, über die wir durch eine ebenfalls ziemlich gewöhnliche Tür in den ersten Raum-im-Raum treten. Eine Ecke, zwei Gänge. Der Blick such nach Auffälligkeiten. Dieser Lichtschalter, war er immer schon da? Funktioniert er? Ich wage nicht, ihn zu betätigen, und gehe eine Ecke und Tür weiter und gelange in einen rechteckigen Raum in gleissend weissem Licht. ­Boden, Wände und Lichtdecke, alles in Weiss, reflektieren sich auf aufdringliche, mitunter aggressive Weise. Durch die nächste Tür und den nächsten Gang gelangen wir ins räumliche Gegenprogramm. Hier empfängt uns das beruhigende Surren der Lüftung, ein fleischfarbener Teppich dämpft den Schritt und blaues Licht generiert eine beruhigende Stimmung. Die Raumstruktur orientiert sich an sakraler Architektur, es herrscht eine Atmosphäre von Besinnung und Entspannung: Jeden Moment könnte eine Meditationsklasse beginnen, die Decken in den Ecken liegen bereit. Dank solcher Details, die sich zwar bedeutungsvoll geben, aber zugleich ihrer eigenen Ironisierung zuträglich sind, wirken Kunz’ Räume kaum je so transzendent ätherisch wie James Turrells Raum-Licht-Installationen, sie gehen aber auch nicht so unter die Haut wie Gregor Schneiders eindringlich beklemmende künstliche Räume. Nach weiteren vier Türen entlässt uns die Künstlerin wieder in den «realen» Ausstellungsraum. Die ­Erfahrung wirkt nach, die Sinne sind sensibilisiert, und es stellen sich Fragen. Gibt es gute und böse Räume? Gesunde und kranke? Echte und falsche? Und wie wird durch Raum Einfluss auf uns genommen? 

Bis 
28.04.2019
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Kunsthaus Baselland Schweiz Basel/Muttenz
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Rebecca Kunz 25.01.201928.04.2019 Ausstellung Basel/Muttenz
Schweiz
CH
Autor/innen
Yasmin Afschar
Künstler/innen
Rebecca Kunz

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