Rebekka Steiger — Schillernde Schemen auf der Fläche

Rebekka Steiger · tilting at windmills, 2018, Öl auf Tempera auf Leinwand, 200 x 240 cm

Rebekka Steiger · tilting at windmills, 2018, Öl auf Tempera auf Leinwand, 200 x 240 cm

Rebekka Steiger · late arrivals at desert hotel, 2018, Öl und Tempera auf Leinwand, 250 x 300 cm

Rebekka Steiger · late arrivals at desert hotel, 2018, Öl und Tempera auf Leinwand, 250 x 300 cm

Besprechung

Mit ‹wild is the wind› stellt die Galerie Urs Meile die neusten Werke der gebürtigen Zürcher Künstlerin Rebekka Steiger aus. Eben von ihrem Atelieraufenthalt in Beijing zurückgekehrt, strömen die klein- bis grossformatigen Malereien einen Hauch fernöstlicher Magie aus.

Rebekka Steiger — Schillernde Schemen auf der Fläche

Luzern — Ein Schleier aus diffusen Farbklängen von Zartrosa bis Lila-Gräulich bildet den subtilen Fond der Leinwand. Locker dahingepinselt sowie zuweilen in der Technik der Grattage gekratzt schälen sich aus dem Hintergrund anonyme Schemen heraus. Changierend zwischen vegetabilen Elementen und zerfliessenden Mensch- und Tiersilhouetten gibt sich ‹reeds and flutes and something from another time›, 2019, als abstrahierte und marginal geformte Landschaft zu lesen. Karg im Bewuchs und weit in die Ebene ausgreifend alludiert die Malerei, die zugleich den Auftakt der Ausstellung bildet, auf eine Vegetation fernab unserer Breitengrade. Dieser Eindruck ist keineswegs Zufall: Die in Luzern ausgestellten Arbeiten von Rebekka Steiger oszillieren synkretistisch zwischen einem abstrakt-expressionistischen Bildvokabular einerseits und einer Fülle an fernöstlichen Form- und Stil­elementen andererseits. So korrespondiert der repetitive Rückgriff der Künstlerin auf die Figur des Reiters wie in ‹tilting at windmills›, 2018, mit dem inflationären Gebrauch derselben im Repertoire chinesischer Druckgrafiken und Skulpturen. Unscharf konturiert und skizzenhaft in ihrem Charakter bleiben Pferd und Reiter auf Steigers Leinwänden jedoch schillernde Erscheinungen auf der Fläche. So poetisch Bildtitel wie ‹late arrivals at desert hotel›, 2018, auch aufgeladen sein mögen: Die farbgewaltigen Kompositionen erzählen keine fiktionalen Geschichten. Gleichwohl erzeugen die Bilder eine eindrückliche Stimmung. So vermittelt jede Leinwand auf ihre Weise eine Atmosphäre, in welche die Betrachtenden  eintauchen können.  Bar einer klar definierten Fokussierung wandert das Auge zwischen abstrakten sowie am Rande der Gegenständlichkeit befindlichen Bildelementen hin und her, um sich darin alsbald zu verlieren. So auch in der kleinformatigen Malerei ‹on a wayward path›, 2019: Während sich ineinander verwischende Linien mal zu kryptischen Schriftzeichen verbinden, nehmen sie ein anderes Mal figurative Züge an. Dem Gegenständlichen am nächsten ist das Werk ‹valentin (venus as a boy)›, 2018. Die grossformatige Leinwand zeigt eine blaue Reiterfigur, die von drei Skorpionen umzingelt ist. Auf dem grüntonig lasierten Grund bilden die Spinnentiere und die vertikalen Zickzacklinien in kräftigem Rosa einen starken Farbkontrast. Auch inhaltlich lässt Steiger hier Kontraste aufeinanderprallen: Gelten Skorpione kulturgeschichtlich seit Jahrtausenden als todbringende Wesen, spielt sie mit dem Bildtitel auf den gleichnamigen, erotisch aufgeladenen Song der Isländerin Björk an. 

Bis 
30.03.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Rebekka Steiger 14.02.201930.03.2019 Ausstellung Luzern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Rebekka Steiger
Autor/innen
Tiziana Bonetti

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