Simone Holliger, Thomas Bonny

Simone Holliger · Element aus: Fremde im selben Raum, 2018,  Papier, Leim, Pigment, 306 x 220 x 45 cm. Foto: David Aeppli

Simone Holliger · Element aus: Fremde im selben Raum, 2018,  Papier, Leim, Pigment, 306 x 220 x 45 cm. Foto: David Aeppli

Thomas Bonny, Distillation, 2018, Malerei auf Papier, 350 x 150 cm

Thomas Bonny, Distillation, 2018, Malerei auf Papier, 350 x 150 cm

Hinweis

Simone Holliger, Thomas Bonny

Winterthur — Die aktuelle Doppelausstellung in den oxyd Kunsträumen befasst sich mit dem Verhältnis von Papier und Dreidimensionalität. Zuerst denken wir an ein Blatt Papier als Träger von Schrift und Bild. Sobald aber Papier zerknüllt, gefaltet oder geschreddert wird, bekommt es eine dritte Dimension. Origami – die japanische Kunst des Papierfaltens – ist eine Form dreidimensionaler Papierkunst. Der leichtgewichtige, vielseitig nutzbare und meist günstige Werkstoff wird zunehmend auch in der bildenden Kunst eingesetzt, um Objekte und Installationen zu schaffen, die einen experimentellen Umgang mit Räumen und Situationen erlauben. Das Kuratorenteam Daniela Hardmeier und Peter Grüter haben Simone Holliger (*1986, Aarau) und Thomas Bonny (*1975, Genf) eingeladen, je eine Etage im oxyd zu bespielen. Simone Holliger verbrachte mehr als eine Woche mit dem Aufbau ihrer raumgreifenden Intervention. Einen Teil ihrer grossformatigen, körperhaften Objekte aus festem Papier entstand vor Ort. Aus grossen, eingefärbten Papierbahnen schneidet sie abstrakt-organische Formen aus, kantet diese ab und setzt rechtwinklige Flächen mit Heissleim oder Stiften an. Die ausgeschnittene «Zeichnung» erhält dadurch räumliche Tiefe. Während die Künstlerin an der Auswahl 2018 im Aargauer Kunsthaus Aarau vor allem freistehende Objekte zeigte, kleidet sie in Winterthur ganze Wände mit reliefartigen Ausstülpungen ein, sodass ein neues, leicht duseliges Raumgefühl entsteht. Auch Thomas Bonny verändert mit Papier die Raumwahrnehmung. Allerdings arbeitet er vor allem mit bemalten Papierflächen, die eine Tiefenräumlichkeit suggerieren, den Raum also nicht realiter nach vorn, in Richtung der Betrachtenden erweitern, sondern imaginär nach hinten – durch die Wand hindurch. Seine vom klassischen Rechteck abweichenden Papierarbeiten enthalten oft ­ausgeschnittene Negativformen, die in einem austarierten Verhältnis zur Gesamtfläche stehen. Mit seinen vorgeblendeten, teils an Kabeln aufgehängten Papierformen verändert auch er, jedoch subtiler, die Architektur. Des Weiteren zeigt Bonny eine Fortsetzung der 2018 in Lausanner Circuit präsentierten Keramiken aus der Serie ‹Bonus›, die in formaler Hinsicht seinen Wandarbeiten nicht unähnlich sind. Sie sind zwar freistehend, jedoch flach und weisen ebenfalls Durchblicke auf. Auch die Farbgebung erinnert an ungegenständliche Malerei. Nebst Keramik enthalten die Objekte denn auch Papiermaché-Elemente. In Theorie dreht sich Bonnys aktuelles Schaffen um den Begriff «Anstand». 

Bis 
07.04.2019
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
oxyd Kunsträume Schweiz Winterthur
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Simone Holliger / Thomas Bonny 23.02.201907.04.2019 Ausstellung Winterthur
Schweiz
CH

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