Agnès Geoffray

Agnès Geoffray · Vue de l'exposition FRAC Auvergne, Courtesy Galerie Maubert. Foto: Ludovic Combe

Agnès Geoffray · Vue de l'exposition FRAC Auvergne, Courtesy Galerie Maubert. Foto: Ludovic Combe

Agnès Geoffray · Sutures, 2014, projection vidéo, 30 min, collection FRAC Auvergne

Agnès Geoffray · Sutures, 2014, projection vidéo, 30 min, collection FRAC Auvergne

Hinweis

Agnès Geoffray

Clermont-Ferrand — Der FRAC Auvergne unterstützt seit langem die Arbeit von Agnès Geoffray (*1973). Jetzt hat Gründungsdirektor und Kurator Jean-Charles Vergne die Bildbearbeitungen der nach dem Kunststudium in Lyon und Paris konsequent international ausstellenden Künstlerin über die elf Säle des Frac zu einer Katalogschau zusammengestellt. Von Kapitel zu Kapitel führt sie tiefer in einen Schaffensprozess, der sich aus historischen Forschungen zu Formen, Figuren und Gesten nährt, die Bildern ihre unheimliche Wirkung geben. So fand Geoffray in den Archiven der Künstlerin Claude Cahun (1894–1954) auf der Insel Jersey gedichtete Widerstandstexte, die diese einst, auf Seidenpapier getippt, deutschen Besatzungssoldaten heimlich in die Tasche steckte. Für ihre Arbeit ‹Der Soldat ohne Namen› hat sie diese auf farbige Seidenstücke übertragen in einer Vitrine ausgelegt. Seide diente Spionen als Medium für versteckte Nachrichten, man konnte sie unbemerkt in der Kleidung tragen. So verbindet Geoffray – ohne Bilder, aber unter Verwendung bildgeladener Texte – Widerstand und Subversion zu einem Werk, dessen ästhetische Qualität in Spannung zu seiner gewaltsamen Geschichte tritt. Prélude zu dieser Vorgehensweise ist ‹Weaved glass›, ornamentale Verzierungen aus Klebeband auf den grossen Fenstern des Frac, inspiriert von Fotografien von Ladenfenstern, die mit Klebeband vor Bombendruckwellen geschützt wurden – tatsächlich nahm man sich damals die Zeit für Arabesken. Geschichte, Gewalt und die mit ihr verbundenen ästhetischen Formen überträgt, verschiebt, verformt Agnès Geoffray mit dramaturgischem Geschick. Für das Video ‹Battling with the wind› liess sie 2018 den Tänzer Jérôme Andrieu Ticks nachspielen, unter denen Soldaten mit Schütteltrauma nach dem Ersten Weltkrieg litten. Die Performance ist so schön wie verstörend. So sondiert die Künstlerin das visuelle Feld nach der «emprise», also dem Einfluss, der Vereinnahmung durch Bilder. Immer wieder führen ihre Arbeiten an die Grenze von Verführung, Verzauberung, Verfluchung durch Bilder. Für die neue Serie ‹Les Captives› hat sie in eigens geblasene Glasstürze Fotos eingeschlossen. Eines zeigt ein einzelnes, nacktes Auge. Im Gesicht verankert, gilt das Organ als «gefrässig». Werden ihm die Augenlider weggeschnitten, erzählt es, im Glasbehälter gefangen, von einem anderen Schrecken: sich der Bilder und der mit ihnen transportierten Machtverhältnisse nicht mehr erwehren zu können. Ein umfangreiches Katalogbuch, in dem Vergne mit viel Beobachtungsgabe jede Werkgruppe erläutert, vervollständigt diese Bestandesaufnahme. 

Bis 
03.05.2020
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
FRAC Auvergne Frankreich Clermont-Ferrand
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Agnès Geoffray 03.03.202003.05.2020 Ausstellung Clermont-Ferrand
Frankreich
FR
Künstler/innen
Agnès Geoffray
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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