Gabriela Löffel — ‹Inside› the Market

Gabriela Löffel · Inside, 2019, Mehrkanal-Videoinstallation, Videostills

Gabriela Löffel · Inside, 2019, Mehrkanal-Videoinstallation, Videostills

Gabriela Löffel · Inside, 2019, Mehrkanal-Videoinstallation, Videostills

Gabriela Löffel · Inside, 2019, Mehrkanal-Videoinstallation, Videostills

Besprechung

Im Centre d’Art Contemporain ist eine Einzelausstellung der Künstlerin Gabriela Löffel zu sehen, die sich dort auf ­gekonnte und zeitaktuelle Weise unter anderem mit der paradoxen, marktkonformen Unsichtbarkeit von in Freilagern weggesperrter Kunst auseinandersetzt.

Gabriela Löffel — ‹Inside› the Market

Yverdon-les-Bains — Nahe dem Rathausgebäude aus dem 18. Jahrhundert, wo früher Lebensmittel für die Bevölkerung lagerten, befindet sich heute das Zentrum für zeitgenössische Kunst (CACY). Seit der Gründung 2013 allen gleichermassen zugänglich, ist der Eintritt frei. Im Gegensatz dazu: die hochgesicherten Zollfreilager, deren Betreten für nichtautorisierte Personen unmöglich ist. Gabriela Löffel setzt sich in ­ihrer neusten, titelgebenden, im CACY zu sehenden 3-Kanal-Videoinstallation ­‹Inside›, 2019, mit diesem Phänomen auseinander – konkreter mit den Kunst-Zollfreilagern Shanghai (Shanghai International Artwork Bonded Service Center) und Genf. Zollfreilager sind – mit ihrem Mix aus Sicherheit, Steuerfreiheit und Diskre­tion – ­idealer Aufbewahrungsort auch und gerade für Kunstwerke, die nur mehr als Anlage- oder Spekulationsobjekte fungieren. Im Kunstfreilager Genf lagern Schätzungen zufolge mehr als eine Million Werke – es wäre das grösste Museum der Welt, wäre es öffentlich. Zu Beginn von Löffels komplexer Auslegeordnung steht der Versuch, Zugang zum im Bau befindlichen Kunst-Zollfreilager Shanghai zu bekommen: Audioaufnahmen ihrer Zurückweisung – Nein, es sei nicht möglich einzutreten, nein, auch nicht ­einen Blick hineinzuwerfen – entfalten durch die Beharrlichkeit und durch die Abwesenheit von Argumenten eine kafkaeske Absurdität. Dieses Ausgangsmaterial durchläuft im Folgenden eine ganze Reihe von Übersetzungsprozessen, die gleichzeitig eine Annäherung an «das Unsichtbare» sind. Auf einem Bildschirm verfolgt man eine chinesische Dolmetscherin dabei, wie sie das in Shanghai aufgezeichnete «Gespräch» zwischen Künstlerin und Personal der Zollfreilager-Firma vor der Kulisse des Zollfreilagers in Genf simultan ins Englische übersetzt. Im Hintergrund, auf einem anderen Bildschirm ist die Aussenfassade des im Bau stehenden Kunst-Zollfreilagers Shanghai zu sehen. Auf einem mittig platzierten Screen: die verschriftlichten Definitionen zu Begriffen wie «Transit Zone», «Economy», «Offshore» etc. als Audiomitschnitt zu hören und von der Übersetzerin übersetzt, die wiederum selbst als eine Art Hologramm der Realität neu in einem VR-Studio in Szene gesetzt wird. Erst dieser aufwendige «Nachbau», also die Programmierung der entsprechenden virtuellen Realität, ermöglicht der Übersetzerin den Zugang in den Innenbereich des Freilagers. Und genau diese weitere Übersetzung des unsichtbar Realen ins sichtbar Virtuelle erst verabschiedet die Idee eines «Originals» und ermöglicht dafür den Blick auf ­reale gesellschaftliche Machtmechanismen und Ordnungssysteme. 

Bis 
26.04.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Inside - Gabriela Löffel 29.02.202021.06.2020 Ausstellung Yverdon-les-Bains
Schweiz
CH
Autor/innen
SØnke Gau
Künstler/innen
Gabriela Löffel

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