Marc Camille Chaimowicz — Dear Valérie …

Marc Camille Chaimowicz · Dear Valérie …, Ausstellungsansichten Kunsthalle Bern. Foto: David Aebi

Marc Camille Chaimowicz · Dear Valérie …, Ausstellungsansichten Kunsthalle Bern. Foto: David Aebi

Marc Camille Chaimowicz · Dear Valérie …, Ausstellungsansichten Kunsthalle Bern. Foto: David Aebi

Marc Camille Chaimowicz · Dear Valérie …, Ausstellungsansichten Kunsthalle Bern. Foto: David Aebi

Besprechung

Die künstlerische Praxis von Marc Camille Chaimowicz vermittelt zwischen angewandter und bildender Kunst. Geprägt von der Arts-and-Crafts-Bewegung und dem Bauhaus, entwickelte der britisch-polnische Künstler eine ganz eigene visuelle Sprache. Davon zeugt die als Zeitreise angelegte Ausstellung.

Marc Camille Chaimowicz — Dear Valérie …

Bern — Fast vermeint man, in eine Messe für retro-futuristisches Interior Design geraten zu sein. Marc Camille Chaimowicz (*1947, Paris, lebt in London) kombiniert verschiedene Medien wie Malerei, Zeichnung, Collagen und Fotografien sowie ab­strakte Skulpturen mit Elementen der angewandten Kunst und der Innenarchitektur: unbrauchbare Möbelstücke, Teppiche, fabulierend-fantasievolle ­Tapetenentwürfe und lange, mehrlagig übereinandergeschichtete Vorhänge, Vasen oder Krüge. Es entstehen komplexe und raumgreifende Installationen, die auffallend von femininen Texti­lien in Pastellfarben und von feinen Formfindungen leben. Ein Arrangement verweist auf das Gesamtkunstwerk, das Chaimowicz für das in der Nähe von Basel gelegene Privathaus des Architekten Roger Diener realisierte. Im Untergeschoss evoziert die Installation ‹Celebration? Realife Revisited›, 1972–2000, die melancholische Stimmung nach einer Party. Sie geht auf die Zeit zurück, als partizipative und performative Strategien in der Luft lagen und Chaimowicz entschied, von nun an nicht mehr zu malen, sondern das Prozessuale und die syn­ästhetische Sinneswahrnehmung in den Vordergrund seines Schaffens zu stellen. Dies führt die Ausstellung vor Augen, die Arbeiten von den Siebzigerjahren bis heute versammelt und sich als eine Art Zeitreise entpuppt. Damals begann Chaimowicz, ein eigenständiges Werk mit einem multidisziplinären Ansatz zu entwickeln. Er verwischte die Grenzen zwischen öffentlicher Kunst und Privatleben, Skulptur und Design, Femininem und Maskulinem, zwischen gestern und heute. Die bildende Kunst verschmolz er mit Choreografie, Regie und Kuratieren, würzte sie mit Literatur und Theater. In seinen Installationen inszeniert er fiktionale Lebenswelten, die sich auf literarische oder reale Personen wie Emma Bovary oder Jean Cocteau beziehen. Oft lädt er Gastkünstler ein und zeigt deren Werke, so hier Zeichnungen und Collagen von Nadia Wallis und Nancy Brooks Brody und eine Installation von Andréa Sparta. Wiewohl seinen Arrangements anachronistische und melancholische Züge anhaften, sind sie unmittelbar verständlich. Chaimowicz ist ein Meister der verborgenen Anspielungen, die poetisch und metaphorisch aufgeladen sind. Davon sprechen auch seine handgeschriebenen Briefe, auf die der Ausstellungstitel verweist. Sie wirken intim und gleichzeitig konstruiert. Sie überraschen mit einer ungeheuren Offenheit, dank der Chaimowicz gewohnte Sichtweisen und Kategorisierungsmechanismen her­auszufordern vermag. 

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Marc Camille Chaimowicz 12.05.202026.07.2020 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Marc Camille Chaimowicz

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