Elza Sile — Kitten in a Fridge

Elza Sile · Chainlink, 2020, Ölfarbe auf bearbeitetes Aluminium, 125 x 70 cm. Foto: Jeremy Ayer

Elza Sile · Chainlink, 2020, Ölfarbe auf bearbeitetes Aluminium, 125 x 70 cm. Foto: Jeremy Ayer

Besprechung

Elza Sile arbeitet konzeptuell und medienübergreifend. Doch ihren Worten gemäss versteht sie sich als Malerin. Nun zeigt sie bei Philipp Zollinger Spielanordnungen, die geistige Räume ­darstellen und zur Partizipation auffordern. Als Teil des Spiels kann das Publikum sich selbst beim Spielen beobachten.

Elza Sile — Kitten in a Fridge

Zürich — Mal trägt Elza Sile (*1989, Riga, lebt in Zürich) die Farbe sorgfältig und detailliert auf, mal kombiniert sie roh belassene Farbwürste mit alltäglichen Gegenständen. Es entstehen bastelartig anmutende Arbeiten, die auf Aluminiumplatten montiert sind und sich als architektonische Modelle, seltsame Landschaften oder Spielplätze entpuppen. Sie sind mit Springbrunnen und einem mit Pflanzen geschmückten Platz, einer Gitterstruktur oder einer zu einer Plattform führenden Treppe möbliert. Andernorts erweisen sich die Kompositionen als Ordnungsstrukturen, lose Systematisierungen oder Fallen. Sie zeigen Tätowierungsnarben, Nähte und von hinten blind in Metall geritzte Linien, X-Formen oder mit Schraubenzieher gestanzte, aneinandergereihte Punkte. Verstreut finden sich Fotografien von Leuten aus einer Enzyklopädie oder ein formloses Gebilde neben einem Farbklumpen und feinen Wattebauschspuren.
Während der letzten zwölf Jahre hat die ZHdK-Diplomandin, die 2019 ihren Master of Fine Arts erlangte und 2020 einen Preis der kantonalen Werkschau erhielt, solch malerisch-konzeptuelle Werke geschaffen. Sie sagt, sie sei «neugierig auf die Reaktionsweise unseres Verstandes auf verschiedene Rahmenwerke und auf das unterschiedliche Material, mit dem Erinnerungen und Gedanken konkretisiert werden».
Der Titel ihrer Ausstellung in der Galerie Philipp Zollinger lautet ‹Kitten in a Fridge› und bezieht sich auf ein berühmtes Gedankenexperiment, das der Physiker Erwin Schrödinger (1887–1961) 1935 beschrieb. Dabei imaginierte er eine Katze in einer Schachtel, deren Leben davon abhängt, ob ein einzelnes radioaktives Atom zerfällt oder nicht. Solange gemäss Erkenntnis der Quantenphysik niemand dieses Atom beobachtet, befindet es sich in einer Überlagerung aus zwei Zuständen: zerfallen und nicht zerfallen. Folglich müsste sich auch die Katze irgendwo zwischen tot und lebendig befinden. Mit diesem hypothetischen Versuch lieferte Schrödinger ein Beispiel dafür, dass mit der klassischen Deutung der Quantenphysik etwas nicht stimmen konnte, dass die Übertragung quantenmechanischer Begriffe auf die makroskopische Welt ein Paradoxon war. Von Paradoxa leben auch Siles «Spielanordnungen» der unzähligen Möglichkeiten. Kaum glauben wir ein Element identifiziert zu haben, verwandelt es sich bereits in ein anderes. Daher suchen wir nach haltgebenden Mustern, müssen allerdings befürchten, dass wir vielleicht durch die Gitterstrukturen fallen und in eine mögliche Falle geraten.

Bis 
17.04.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
ELZA SILE / kitten in a fridge 05.03.202117.04.2021 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Elza Sile

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