Reset — Museum. Sammlung. Zukunft

Michael Riedel · Ohne Titel (fünf eins sechs sieben neun elf zwei), 2014, Offsetdruck auf Affichenpapier, 14 Teile, je 84,5 x 59,5 cm,  Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger

Michael Riedel · Ohne Titel (fünf eins sechs sieben neun elf zwei), 2014, Offsetdruck auf Affichenpapier, 14 Teile, je 84,5 x 59,5 cm,  Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger

Sophie Taeuber-Arp · Bar Aubette (Rekonstruktion), 1926–1928/1998, Original zerstört, Rekonstruk­tionsmodell im Verhältnis 1:1, 1998, Farbbestimmung: Jean-Louis Faure, Musées de la ville de Strasbourg, und Ruedi Bienz, Bern, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger

Sophie Taeuber-Arp · Bar Aubette (Rekonstruktion), 1926–1928/1998, Original zerstört, Rekonstruk­tionsmodell im Verhältnis 1:1, 1998, Farbbestimmung: Jean-Louis Faure, Musées de la ville de Strasbourg, und Ruedi Bienz, Bern, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv. Foto: Stefan Altenburger

Besprechung

Alles beginnt irgendwann einmal und die Dinge entwickeln sich, es entsteht Gutes, Verwirrendes, Geniales. Wem dies zu stressig wird, drückt auf den Reset-Knopf. Im Haus Konstruktiv besinnt man sich auf den Ausgangspunkt zurück und wirft einen neuen Blick auf die Sammlung.

Reset — Museum. Sammlung. Zukunft

Zürich — Die Schau ist eine Zeitreise durch Farben, Formen und Gedanken, die im Erdgeschoss mit einer raumgreifenden Installation des deutschen Künstlers ­Michael Riedel (*1972) beginnt. Die Idee ist wichtiger als das Kunstwerk selbst, denn die fotokopierten Gespräche über eine Ausstellung sind weder lesbar noch wichtig. Wichtig ist das Bildmaterial der auf dem Fussboden verklebten, schwarz-weissen ­Fotokopien, denn die Gedanken spinnen sich weiter, reproduzieren sich zu neuen Strukturen und Ideen … Konkrete Kunst ist weder figürlich noch abstrakt, sondern eine Linie, eine Farbe, eine Fläche. «Das Kunstwerk muss vor seiner Ausführung vollständig im Geist entworfen sein – von der Natur, von Sinnlichkeit oder Gefühl vorgegebene Formen darf es nicht enthalten», notierten die Künstler und Künstlerinnen damals in ihrem Manifest zur konkreten Kunst. Im Echoraum von zehn Jahrzehnten konkreter-konstruktiver-konzeptueller Kunst erklingen jedoch viele Stimmen und die aktuelle Schau atmet und leuchtet in allen Facetten. Im ersten Geschoss wird ersichtlich, was die Stilrichtung des Dadaismus mit der konstruktiven Kunst gemein hat: Erst die Sache in ihre Grundelemente zerlegen und dann sorgfältig in neuen Kombinationen wieder zusammensetzen, bis es eventuell keinen oder einen neuen Sinn ergibt. Romy Weber (*1936) und Sadie Murdoch (*1965) arbeiten mit Fragmenten, Murdoch, indem sie Fotografien ihres Körpers mit Skulpturen des Dadaismus überblendet, Weber malt in feinen Linien eine Bastelanleitung für Papierschiffchen. Das Abstrakt-Distanzierte erhält so eine Dimension von Verspieltheit und Körperlichkeit.
Sowieso pulsiert es überall, das Treppenhaus steht unter Strom mit verengenden Linien und Fluchten und den schrillen Gitarrenriffs von Dominik Stauchs (*1965) ­Video. Hören und Sehen: Wie drücke ich meine Gedanken und Gefühle aus? Im obersten Geschoss antworten vier junge Positionen auf die konkrete Kunst. In einem wilden Akt der Auflehnung scheint Guillaume Pilet (*1984) die leuchtenden Farben des Regenbogens an die Wand geworfen zu haben. Doch von Kontrollverlust kann hier keine Rede sein, seine Performance ist ausgerichtet auf ein strenges System aus Proportions- und Ordnungsprinzipien. Bodypainting und Bodyknowledge richten sich nach Script, selbst die bemalte Haut des nackten Performers unterwirft sich dem Muster der Leinwand. Pilet bezieht sich in seiner Arbeit auf das Manifest der ersten Genera­tion konkreter Kunstschaffender, nur erweitert er dieses um eine wichtige Nuance, indem er die Negation von Natur, Sinnlichkeit und Gefühl weglässt.

Bis 
09.05.2021
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
RESET – Museum. Sammlung. Zukunft. 02.03.202116.05.2021 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Johanna Encrantz
Künstler/innen
Michael Riedel
Sophie Taeuber-Arp

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