Matthew Monahan in der Galerie Fons Welters

Matthew Monahan · Ohne Titel, 2001,
Bleistift und Papier. 10 x 7 x 5 cm

Matthew Monahan · Ohne Titel, 2001,
Bleistift und Papier. 10 x 7 x 5 cm

Besprechung

Eine kosmische Reise in nicht-symmetrisches, ungeordnetes und unmenschliches Territorium nennt der amerikanische Künstler Matthew Monahan seine neuesten Papierarbeiten. In «Not-even-anywhere» transformiert sich die diffuse Landschaft zum fantastischen Universum seiner geometrisch gefalteten, cyberhaften Masken.

Matthew Monahan in der Galerie Fons Welters

In seiner zweiten Einzelausstellung in der Galerie Fons Welters zeigt der junge Californier eine neue Serie von Arbeiten, die sich nicht mehr direkt mit der menschlichen Figur als Vorlage befasst. Die neuen, monumentalen Landschaftsdarstellungen zeugen in ihrer surrealistischen Präsentation von einer verborgenen Welt innerhalb der realen, von einem unheimlichen Sog des Universums. Für die grossformatigen Zeichnungen verstreicht der Künstler Kohlenstaub auf Papier, so dass eine dunstige Atmosphäre ohne eigentliche Linien entsteht. Die Kompositionen scheinen zum Teil dem Zufall überlassen und sind, bis auf wenige kleine Figuren, abstrakt. In Bezug auf die Gestaltung der Oberfläche sowie in der Art, damit einen sinnlichen Zusammenhang herstellen zu wollen, erinnern diese Arbeiten an die Fotogramme, beispielsweise von Moholy-Nagy, oder an die wie zufällig arrangierten Wasser-in-Öl-Versuche von Max Ernst.

Die Experimentierfreude des Künstlers sowie einen gewissen Hang zum Psychedelischen zeigen auch kleine, dreidimensionale Masken. Monahan zeichnet ein Porträt und bringt das Papier anschliessend in eine runde Form, als hätte er seine Hand damit zur Faust geschlossen und wäre es zum Spielball für den Wurf in den Mülleimer gedacht. So sehr sie in ihrer Fragilität und Zartheit verletzlich wirken, so täuschend echt trifft einen der Blick der Dargestellten. Mit diesen Falten gelingt es, das flache Papier in die dreidimensionale Form des Lebendigen zu verwandeln. Matthew Monahan arbeitete lange Zeit daran, die menschliche Physiognomie darzustellen, bis ihm eine gewisse Abstraktion gelang, um das Physische deutlicher und unmissverständlicher mit dem Seelischen zu verbinden. Seine Abstraktionen entpersonalisieren die Physiognomien, ohne ihnen den Hauch von Lebendigkeit zu nehmen. Indem er das Papier, seinen bevorzugten Grundstoff, faltet, bilden sich unmittelbare Symmetrien. Mit diesen Figurationen schöpft er einen Formenschatz, der sich auf anzubetende Ikonen zu beziehen scheint. Der Formalismus erinnert genauso an den klassischen Umgang mit «primitiver» Kunst wie an asiatische Darstellungsweisen, mit denen sich der Künstler beschäftigt. Dies mag im Gegensatz zur Modernität stehen, die uns zwingt, zwischen Religion und Wissenschaft oder Irdischem und Ausserirdischem zu entscheiden. Monahan hingegen führt uns vielmehr deren Überschneidung vor: anhand von Hybriden, gleichzeitig fantastisch und real. Zudem: Dani Jakob in der Playstation @ Galerie Fons Welters, kuratiert von Maxine Kopsa.
Bis 12.5.

Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Fons Welters Niederlande Amsterdam
Autor/innen
Caroline Eggel
Künstler/innen
Matthew Monahan

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