Animations in Kunst-Werke

William Kentridge · Shadow Procession, 1999, single channel DVD, Courtesy of the artist and Marian Goodman Gallery, New York/Paris

William Kentridge · Shadow Procession, 1999, single channel DVD, Courtesy of the artist and Marian Goodman Gallery, New York/Paris

Besprechung

Die Ausstellung «Animations», die zuvor im P.S.1 in New York gezeigt wurde, reagiert auf die wachsende Zahl von Künstlern, die sich heute des Trickfilms bedienen.

Animations in Kunst-Werke

Der Trickfilm erscheint als ideale Verbindung von Film und Kunst. In keinem anderen Medium lassen sich auf so einfache Weise traditionelle bildnerische Techniken wie Zeichnung, Collage oder Skulptur mit filmischen Darstellungsformen verknüpfen. Ein zentrales Problem vieler Ausstellungen und Veranstaltungen von Filmen im Kunstkontext ist die Art der Präsentation. Denn Museen und Kunstvereine sind keine Kinos und Ausstellungsbesucher keine Cineasten, die geduldig stundenlang konzentriert Filme betrachten. Aber gerade dieses Problem hat «Animations» durch eine Vielfalt von Raum- und Rezeptionsituationen überzeugend gelöst. Während das Erdgeschoss eine überdimensionale Projektionswand dominiert, auf welcher der Silhouettenfilm «Shadow Procession», 1999, von William Kentridge zu sehen ist, findet man im ersten Stock eine Landschaft aus bemalten Papierflächen, in die auf reizvolle Weise Monitore und Installationen integriert sind. In dieser kulissenartigen Szenerie kann man unter anderem den Knetfigurenfilm «Pedigree», 1999, von Amelie von Wulffen/Michael Graessner entdecken, der im Rahmen politischer Fragestellungen eine Liebesgeschichte zwischen einem LKW-Fahrer und der Frau einer Vorstadtsiedlung erzählt. Neben den Filmen, die auf eigenen Zeichnungen oder Figuren beruhen, gibt es auch Arbeiten, die sich fertiger Animationen bedienen, beispielsweise Peggy Ahweshs «She Puppet», 2001, die Szenen des Lara Croft-Spiels neu montierte und zur Visualisierung eigener Gedanken verwendete. In einem anderen Stockwerk, dessen Boden vollkommen mit Teppichboden bedeckt ist, wird ein Projekt von Pierre Huyghe und Phillipe Parreno vorgestellt, das sich um Annlee, eine von einem japanischen Animé-Unternehmen erworbene, digitale Figur dreht. Sie wurde anderen Künstlern mit der Aufforderung zur Verfügung gestellt, selbst Filme mit ihr zu produzieren. Einige Ergebnisse dieses Projekts sind hier zusammengetragen. In einem anderen Saal findet man Projektoren und Computer von Paul Johnson. Sie sind aus Alltagsgegenständen gebaut und besitzen den Reiz postatomarer, hybrider Maschinen. Diese Apparaturen zeigen Webarbeiten mit Animationen, beispielsweise die interaktiven Sites von JODI, Mouchette oder Natalie Bookchin. Als Ergänzung zu den aktuellen Arbeiten wird im Dachgeschoss in drei wechselnden Programmen eine Auswahl historischer Trickfilme präsentiert. «Animations» bietet einen guten Überblick über ein Ausdrucksmittel, das durch die neuen digitalen Bearbeitungsmöglichkeiten aber erst am Anfang seiner Entwicklung zu stehen scheint.

Bis 
17.05.2003

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