Huber.Huber in der Galerie Bis Heute und in der Galerie Bob Gysin

Huber.Huber · Magnolien, Tuschzeichnung, 2005

Huber.Huber · Magnolien, Tuschzeichnung, 2005

Besprechung

Als eng zusammenarbeitendes Kunst-Team erobern die Zwillingsbrüder Huber.Huber (*1975) aus Zürich die schweizerische Kunstszene. Gerade sind sie in zwei Galerien in Bern und Zürich präsent.

Huber.Huber in der Galerie Bis Heute und in der Galerie Bob Gysin

Die Kunstwelt entdeckt, so scheint es, die Lust am lebenden Tier. In der Kunsthalle Bern zeigte der Belgier Wim Delvoye jüngst Aufnahmen tätowierter Schweine, die auf einer «Art Farm» leben. Das Zürcher Zwillingspaar Huber.Huber lässt in der Berner Galerie Bis Heute Ameisenvölker durch transparente Höhlensysteme krabbeln. Die künstlichen Bauten der staatenbildenden Insekten sind aus Chemielaborgerät und alten PET-Flaschen zusammengebastelt, ihre labyrinthisch-futuristische Form lässt an den Typus des verrückten Wissenschaftlers denken, der in zahllosen Sciene-Fiction-Filmen sein wirres, weltverderbendes Unwesen treibt. Im pseudowissenschaftlichen Arrangement aus Plexiglaskugeln, endlosen Schlauchgängen, Erdreich und Ameisen spiegelt sich somit ein sehr ambivalentes, skeptisch-fasziniertes Verhältnis zu den Naturwissenschaften. Die Auseinandersetzung mit wissenschaftlicher Naturwahrnehmung und ihrer methodischen Ordnung bestimmt auch die Arbeit mit den Gräsern, die am Limmatufer gesammelt und skizzenhaft abgezeichnet wurden. Unter jeder Zeichnung findet sich ein kleiner grüner Farbfleck, gewonnen aus dem abgezeichneten und sodann pürierten Gras. Es ist eine Nonsens-Systematik, welche die beiden Brüder, Markus und Reto mit Vornamen, vorstellen. Ein Spiel, angesiedelt irgendwo zwischen Ironie und Satire sowie dem begeisterten Staunen hellwacher Kinder, welche, indem sie die abstrakten Ordnungssysteme der Biologie nachahmen, eine eigene, phantastisch-phantasievolle Ordnung erschaffen.

Die Brüder haben eine gewisse kindliche Offenheit behalten. Bevorzugt fokussieren sie auf das, was sonst leicht übersehen wird: das Kleine, das Unbedeutende, das manchmal Störende im alltäglichen Leben. Eng mit den Ameisenstaaten verwandt, aber weit weniger spektakulär, sind die Insektenzeichnungen. Monatelang haben Huber.Huber gesammelt, was sich an toten Insekten vor ihrem Atelierfenster fand. Nach diesen Fundstücken entstand die Serie «Insekten», 2005, bestehend aus grossformatigen Tuschzeichnungen von fragilem Reiz, an denen sich ein weiteres, dem Brüderpaar wichtiges Thema ablesen lässt: die Schönheit und Vergänglichkeit alles Natürlich-Kreatürlichen. Dieses wahrhaft klassische Thema schwingt natürlich auch in den schon genannten Gräser-Zeichnungen mit. Und auch die Serie «Zelt/Nacht», 2006, die in der Galerie Bob Gysin in Zürich zu sehen ist, variiert die Auseinandersetzung mit der Flüchtigkeit des Bestehenden. Hier auf den Menschen selbst und seinen Aufenthalt in der Natur bezogen. Die Serie besteht aus nachtschwarzen Graphitblättern, auf einigen sind schemenhaft helle Zelte zu erkennen, andere erscheinen so dunkel wie unberührte Nacht.
Galerie Bob Gysin, Zürich, bis 13.5.

Bis 
05.05.2006
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Bob Gysin Schweiz Zürich
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
huber.huber

Werbung