Latifa Laâbissi in La criée

Latifa Laâbissi · © Habiter (Chez Germain D), 2007, Foto und © Jocelyn Cootencin

Latifa Laâbissi · © Habiter (Chez Germain D), 2007, Foto und © Jocelyn Cootencin

Hinweis

Latifa Laâbissi in La criée

Tanz und bildende Kunst: Eine Wahlverwandtschaft mit Geschichte, wie aktuell in Ausstellungen wie «Raum. Orte der Kunst» in der Akademie der Künste, Berlin gut dokumentiert wird. Die 43-jährige französische Choreographin Latifa Laâbissi stützt sich, nach dem Studium an der Merce-Cunningham-Schule in New York, auf eine lange Reihe von Laboratoriums- und Projekterfahrungen. Dazu gehören die Lehre in Kunsthochschulen ebenso wie Kooperationen mit Künstlern und Tänzern unter anderem auch als Coleiterin der Tanzkompanie 391 in Rennes. Nicht nur aus diesen Produktionserfahrungen heraus hat Laâbissi eine Bewegungssprache entwickelt, die, wie in dem Stück «Self Portrait Camouflage», 2006, intelligent politische und künstlerische Kritik an bestehenden Machtritualen formuliert. Die in Rennes lebende Künstlerin versteht es, die Floskeln der Körpersprache mit einer Gestik zu konfrontieren, die überrascht, statt auf die Erwartungen des Wiedererkennens zu antworten. Höchst interessant ist nun die Verbindung mit der künstlerischen Intervention im privaten Raum, die sie im rührigen Kunstzentrum La criée im bretonischen Rennes anbietet. Für «Habiter» schlüpfte die Tänzerin in die Rolle einer Besucherin. Vergleichbar dem Berliner Theaterprojekt «X-Wohnungen» (von und mit unter anderen Eija-Liisa Ahtila, Fatih Akin, Harun Farocki), das für seine Inszenierungen in Privatwohnungen einlädt, tanzte sie bei Privatleuten im Wohn- oder Schlafzimmer. Die Künstler Sophie Laly und Jocelyn Cottencin filmten bzw. fotografierten die Performance. Nun sind die Dokumentationen, eingebettet die Installation «I hear voices» der Künstlerin Nadia Lauro, im Kunstzentrum zu sehen. Unter Einbeziehung von Architekten (L´atelier d´architecture autogérée/aaa) und Theoretikerinnen (Emmanuelle Chérel) hat Laâbissi hier im Team ein dichtes, intelligentes Kunstwerk geschaffen, das die Grenzen unserer gewohnten sozialen Räume verschiebt und einen Weg aktueller Kunstentwicklung weiterzeichnet: Kunst in Bewegung.

Bis 
02.06.2007

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